DTP Entertainment AG
Auf virtuellen Pferden zum Marktführer

„Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.“ Ein Spruch, der Thomas Baur gut gefällt und dem er nur zustimmen kann. Schließlich hat sich seine DTP Entertainment AG quasi auf dem Pferderücken fast unbemerkt zum Marktführer bei Kindersoftware hochgearbeitet. Die Umsätze steigen langsam, aber stetig, während der Markt für Kindersoftware insgesamt zurückgeht.

DÜSSELDORF. Der Erfolg kam ausgerechnet mit der am meisten vernachlässigten Zielgruppe der ganzen Branche: den Mädchen. Ob „Meine Tierpension“, „Lass uns reiten 2“ oder „Pferdesportmanager“ – die meist 8- bis 14-jährigen Girls lieben diese Spiele. 8 von 20 Plätzen der Kinderspielecharts wurden im Juli von DTP-Titeln belegt, gut 32 Prozent am Kindermarkt für PC-Spiele im zweiten Quartal brachten die Marktführung vor der Nummer zwei, Kiddinx („Benjamin Blümchen“).

„Unsere Spiele sind komplett gewaltfrei“, fasst Baur die Philosophie zusammen. Und er arbeitet kostengünstig – zwangsweise. Bei typischen Verkaufszahlen von 30 000 bis 50 000 Kinderspielen muss der Kostenrahmen eingehalten werden. DTP kann sich keine „Produktionskosten in Millionenhöhe leisten“, so Baur. Dieses Jahr wird er rund 15 Millionen Euro umsetzen, davon gut 5 Millionen mit Kinderspielen.

Die Marktlücke Pferde und Mädchen hat sich samt der Expertise der Hamburger Spieleentwickler mittlerweile herumgesprochen. Der Branchenriese THQ hat die Vertriebsrechte für „Lass uns reiten 2“ für die USA erworben. Da winken Verkäufe von 500 000 bis 700 000 Stück. Es geht aufwärts. DTP war 2003 in Leipzig Aussteller der ersten Stunde mit zunächst bescheidenen 50 qm im Händlerbereich und einem einsamen PC im „Family“-Bereich. Diesmal werden es 200 qm, verteilt auf drei Stände, sein.

Mit dem „Pferdehof“ wurde gerade erstmals bei DTP ein Ausritt in die Welt des Nintendo-Gameboys gewagt. Die Konsolenspiele sind eine Herausforderung. Die Herstellung ist teuer, und Nintendo verlangt üppige Lizenzgebühren. Aber der Markt ist riesig. Stückzahlen in Millionenhöhe sind für gute Spiele die Regel.

Nintendo macht vor, wie es geht: Die putzigen „Nintendogs“, kleine Hunde, die der Nintendo-DS-Spieler ähnlich wie früher Tamagochis liebevoll aufzieht und – per Onlineverbindung – sogar zum gemeinsamen virtuellen Spielen zu anderen Hunden auf die DS-Konsole der Freundin schicken kann, sind ein gigantischer Erfolg. Über 500 000 Spiele wurden in Japan in nur sechs Wochen verkauft, weiß Stefan Gundelach von Nintendo Deutschland. Das ist fast der doppelte Jahresumsatz von DTP. Von solchen Zahlen kann man in Hamburg nur träumen. Aber wer weiß? Bis jetzt deutet nichts darauf hin, dass die Mädchen dieser Welt ihre Pferdeliebe aufgegeben haben.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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