E-Book-Reader
Sony attackiert Amazons Kindle

Der Kampf ums E-Book geht in die nächste Runde. Gleich mit zwei neuen Geräten will Sony die Übermacht von Amazons E-Book-Reader Kindle brechen. Doch im Hintergrund lauert mit Google bereits ein weiterer mächtiger Konkurrent.

DÜSSELDORF. Mit zwei neuen E-Book-Readern will Sony ab August in den USA verlorenen Boden gegenüber Marktführer Amazon gut machen. Aber während sich die beiden Streithähne noch argwöhnisch umkreisen, nimmt ein neuer Widersacher Maß: Google. Der Webriese will vor Jahresende einen E-Buch-Shop starten. Verleger sollen dort ihre Bücher zu ihren eigenen Preisen und für alle Geräte verkaufen können. Das klare Anti-Modell zu den scharf reglementierten Plattformen von Sony und Amazon.

Einer der Sony-Reader wird mit einem Touchscreen ausgestattet sein, der zweite soll zum Kampfpreis von 199 Dollar (plus Steuern) den Markt aufmischen. Zum Vergleich: Der Kindle kostet 299 Dollar.

Käufer des billigeren, PRS 300 genannten Readers müssen mit einen kleineren 5-Zoll-Bildschirm leben. Beiden Sony-Geräten fehlt eine Online-Schnittstelle. Gerade die Möglichkeit, online Bücher kaufen zu können, hatte allerdings Kindle so erfolgreich gemacht.

Sony steckt in der Klemme. Von den Readern wurden seit 2006 nach Unternehmensangaben nur rund 300 000 Geräte verkauft. Amazon startete später und war offenbar erfolgreicher. Offizielle Zahlen gibt es nicht, Analysten wie Jeffrey Linsay von Bernstein & Co. schätzen für das laufende Jahr einen Absatz von 750 000 Kindle. Das sind mehr als doppelt so viele Geräte, wie Sony je verkauft hat.

Selbst in Japan sind die Sony-Schwarten unbeliebt. In Tokios Pendler-Zügen oder in Cafes und Bars von Asakusa bis Koiwa trifft man niemanden mit einem E-Reader unter dem Arm. Alle starren auf ihr Handy: 2008 wuchs der japanische Markt für E-Books um 30 Prozent auf rund 46 Milliarden Yen, so die Marketingfirma Impress in Tokio. Gut 40 Mrd. entfallen auf Handy-E-Books, den Rest bestreiten E-Bücher für PCs. Das, so Analysten, lässt zweifeln, ob reine Reader eine Zukunft haben werden.

Auf der Hitliste der beliebtesten Peader in den USA steht auch schon längst Apples iPhone ganz oben. Google haut in diese Kerbe und baut seinen Buchladen hardwareunabhängig für alle Geräte auf. „Und diesmal“ erklärte Google-Manager Tom Turvey auf der BookExpo in New York, „meinen wir es ernst.“ Ebenso wie Steven Pendergrast von Fictionwise. Der E-Book-Arm des Buchriesen Barnes & Noble hat 2008 nach eigenen Angaben 1,5 Mill. E-Books verkauft, verteilt auf alle Plattformen. 2010 werde die Popularität der Smartphones den „Durchbruch“ im Markt schaffen. Barnes & Noble wird zudem 2010 einen eigenen Reader gegen Kindle und PRS ins Feld schicken.

„Die deutschen Verlage begegnen dem E-Book mit großer Offenheit“, sagt Ronald Schild, Geschäftsführer der Börsenvereinstochter MVB. Hier warte man gespannt, wann die neuen Geräte den als veraltet geltenden PRS 505 von Sony ablösen werden. Sony nennt keine Details, hat aber für den 4. September auf die Funkausstellung in Berlin eingeladen. Vielsagendes Motto: „Die nächste Generation“.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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