E-Books
Amazon bringt verbesserten E-Bookreader

"Kindle 2" beseitigt die gröbsten Schwachstellen des Vorgängers: Der neue E-Bookreader ist leichter und hat eine längere Akkulaufzeit. Konkurrent Google kontert mit Handybüchern aus dem Web. Doch Analysten beurteilen die Zukunft des Marksegments weiter skeptisch.

DÜSSELDORF. Amazon.com hat in New York die zweite Version seines E-Bookreaders Kindle vorgestellt. Das verbesserte Gerät ist leichter als sein Vorgänger und hat laut Anbieter auch eine längere Akkulaufzeit. Der Reader wird zunächst in den USA verkauft werden. Der Preis wird mit 359 Dollar angegeben. Der "Kindle 2" mit seinem Display, das an elektronisches Papier erinnert, soll ab 24. Februar in den Verkauf gehen und kompatibel zum Vorgänger sein. Das bedeutet, das Käufer alte E-Bücher auf der neuen Plattform lesen können.

Analysten wie Jeffrey Linsay von Bernstein & Co. blieben allerdings skeptisch, was die Zukunft des Marktsegments angeht. Lindsay erwartet für das laufende Jahr bestenfalls einen Absatz von 750 000 Stück des Kindle 2: "Das bleibt weiter ein Nischenmarkt", sagt er. Der erste elektronische Buchleser, das "Rocket e-book", kam 1999 auf den Markt, konnte aber nie überzeugen und ging sang- und klanglos wieder unter.

Heute versucht neben Amazon noch Sony mit einem eigenen E-Book-Reader Fuß zu fassen. Dagegen hält vor allem der Webriese Google: Er macht bis zu 1,5 Mio. E-Bücher der "Google Book Search" für Mobiltelefone wie das G1 ("Google-Phone") oder Apples iPhone verfügbar. Amazon hat daraufhin angekündigt, seine E-Werke ebenfalls auf anderen Geräten lesbar zu machen. Bislang wollte Amazon E-Bücher exklusiv nur für das eigene System veröffentlichen.

Der Verband der US-Konsumelektronikindustire, CEA, schätzte im Januar auf der Konsumelektronikshow CES in Las Vegas den Absatz von E-Bookreadern im vergangenen Jahr auf insgesamt rund 580 000 Stück. Amazon selber nennt keine Verkaufszahlen. Der Durchbruch in der öffentlichen Diskussion gelang im Oktober, als die Talkshowlegende Oprah Winfrey den Kindle zu ihrem neuen "Lieblingsspielzeug" erklärte. Stunden später war er ausverkauft. Amazon selber nennt auf Anfrage keine Absatzstatistiken.

Für den Download bedient sich der Kindle 2 des 3-G-Mobilfunknetzes von Sprint in den USA. Damit entfällt die Suche nach einem W-Lan-Hotspot oder einem PC, um ins Internet zu gehen. Die Technik wird "Amazon Whispernet" genannt.

Der erweiterte Speicher fasst jetzt insgesamt 1 500 Bücher, so Amazon, das alte Kindle musste bei 200 passen. Aktuell sind nach eigenen Angaben 230 000 Bücher elektronisch verfügbar. Dazu gibt es Magazine und Blogs im Abonnement. Der Durchschnittspreis beträgt 9,99 Dollar.

Die amerikanische Verlagsindustrie setzt große Hoffnungen auf E-Book-Reader jeder Art. Die Erwartung ist, dass das Preisniveau der E-Bücher konstant gehalten werden kann, jedoch in Zukunft die Druckkosten wegfallen. Das könnte die Rentabilität der Verlage dramatisch verbessern. Kritiker bemängeln den hohen Einstandspreis, der die Geräte für den Durchschnittsleser noch immer unattraktiv macht.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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