E-Books
Der Fluch der Digitalisierung

Google macht der Buchbranche Angst. Der Internetgigant baut unter Hochdruck die größte digitale Bibliothek aller Zeiten. Sieben Millionen Bücher sind bereits digitalisiert, täglich kommen neue hinzu. Die Verlage fürchten die Technik - und können trotzdem nicht auf elektronische Bücher verzichten.

Das Wunderding im lieblosen Plastikeinband ist 260 Gramm schwer und bietet eine Lesefläche mit einer Diagonale von gerade sechs Zoll – gut 15 Zentimetern. Die Buchstaben leuchten bleischwarz auf milchigem Untergrund, eher matt. Wie bei Büchern aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts erscheinen die Fotos nur in Grautönen. Das elektronische Buch von Sony ist also ein eher langweiliges Spielzeug – und dennoch erschüttert es die gesamte Buchbranche. Denn in Zeiten stagnierender oder rückläufiger Erlöse begreifen Verlage und Händler das elektronische Publizieren als Chance für die Zukunft.

Folglich war das Lesegerät von Sony der Star auf der Leipziger Buchmesse. Und auch auf der weltgrößten Buchmesse in Frankfurt im vergangenen Herbst war der Stand des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels mit den verschiedenen E-Books Besuchermagnet. Menschentrauben bildeten sich um die handflächengroßen Lesegeräte.

Seit wenigen Wochen wird der Sony-Reader nun über die Buchladenkette Thalia, eine Tochter des Handelskonzerns Douglas, zum Preis von 299 Euro verkauft. „Das Buch gibt es als Hardcover-Ausgabe, als Taschenbuch, als Hörbuch und DVD. Das E-Book ist einfach nur eine Erweiterung“, heißt es bei Thalia. „Der Kunde will beides, das elektronische und das herkömmliche Buch. Das ist wie mit der Kerze und dem elektrischen Licht“, sagt der Freiburger Verleger Manuel Herder. Doch so einfach ist die neue Bücherwelt nicht.

Denn die Digitalisierung ist auch ein Fluch. Über Jahrhunderte hatten Verleger und Autoren die Urheberrechte fest im Griff. Natürlich gab es im Gutenberg-Zeitalter unerlaubte Nachdrucke. Doch das brachte die Buchbranche nur selten ins Schwitzen. Mit der Einführung der digitalen Schmöker beginnt nun eine neue Zeitrechnung. Denn nicht mehr das gedruckte Wort zählt, sondern das digital gespeicherte. Auch wenn die Geräte einen Kopierschutz haben – die negativen Erfahrungen der Musikindustrie zeigen: kein Kopierschutz ist so gut, dass er nicht von Hackern geknackt werden könnte.

Immerhin hat die Buchbranche mit einem Jahresumsatz von zuletzt 9,6 Mrd. Euro von den seit Jahren kriselnden Musikkonzernen gelernt. Die Verlage versuchen, frühzeitig mit legalen Angeboten dem Textklau zu begegnen. Mitte März fiel auf der Leipziger Buchmesse der Startschuss für „Libreka“. Auf dieser Internet-Plattform verkauft der Börsenverein E-Books. Unter rund 100 000 digitalen Büchern können die Kunden bereits wählen.

Die Digitalisierung droht dennoch, für die Verlage zu einer Zerreißprobe zu werden. Denn auf der einen Seite kommen sie an Internet und elektronischen Lesegeräten nicht vorbei, auf der anderen werden einmal ins Netz gestellte Dateien leicht zum illegalen „Volkseigentum“.

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