E-Learning wird praxisnäher
Lernen mitten in der Fabrikhalle

Menschen, die isoliert vor dem Computer sitzen? Das habe mit E-Learning nach seinem Verständnis nichts zu tun, sagt SAP-Forschungschef Lutz Heuser. "Das ist eine falsche Assoziation, ein solches Bild hatten wir nie vor Augen."

DÜSSELDORF. Heuser beschäftigt sich schon lange mit der Frage, wie Menschen zukünftig lernen werden. Von 1997 bis 2003 hat er das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt L3 zum lebenslangen Lernen mitbetreut. Seine Erkenntnis: Nur wenn ein Austausch mit anderen Lernenden gegeben ist, wird ein E-Learning-Projekt sinnvoll sein. Das könne entweder durch begleitende Präsenz-Sitzungen geschehen oder in Form von Chatrooms, in denen sich die Kursteilnehmer online austauschen können. So könnten auch E-Learning-Angebote in Klassen organisiert sein.

Aus heutiger Sicht meint Heuser: "Technologie hat schon jetzt in vielen Unternehmen die Weiterbildung stark verändert. Heute dominiert learning by doing. Das Lernen auf Bevorratung verliert an Bedeutung." Der Computer kann beim Lernen durchaus helfen: Ziel der Entwicklungen ist es, die Lerninhalte immer exakter auf die jeweilige Arbeitssituation abzustimmen. Künftige Systeme werden den Arbeitsfortschritt beobachten und aktiv Hilfe anbieten, wenn der Mitarbeiter - etwa durch nicht plausible Eingaben oder längere Pausen - Unsicherheiten bei der jeweiligen Aufgabe erkennen lässt. Die Maschinen werden künftig auch speichern, welche Anfragen schon gestellt wurden. Sie erlangen so Kenntnis über den Wissensstand des Anwenders. "In den nächsten Produktgenerationen werden wir solche Funktionen erleben", erklärt Heuser.

Das wichtigste Anwendungsfeld und der größte Markt sind Produktschulungen. Auch die Autoren von Handbüchern müssten früh genug mit den Produkt-Entwicklungsteams zusammenarbeiten. Schließlich geht der Trend weg von der gedruckten Bedienungsanleitung hin zu elektronisch aufbereiteten Inhalten, die einen im Arbeitsalltag mit einem Produkt vertraut machen.

IT-Forscher propagieren das umgebungsbezogene Lernen. Wenn Mitarbeiter nicht genau wissen, wie sie mit einem Produkt umzugehen haben, könnten in Zukunft die Erklärungen online auf mobilen Endgeräten angeboten werden. Ein Wartungstechniker, der unsicher ist bei einem Maschinenteil, kann zum Beispiel über einen Scanner dessen Nummer auf dem RFID-Chip herauslesen und so die Anleitung oder Antworten auf Fragen auf sein mobiles Gerät überspielt bekommen. "So wie ein Handbuch werden auch Lerninhalte bald für jedes komplexere Produkt vom Kunden erwartet", schätzt Heuser.

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