E3 in Los Angeles
Spielemesse: Ernüchterung im Paradies

In Los Angeles präsentiert sich die globale Spielebranche. Doch sie hat offenbar nicht viel neues zu bieten. Wie die Hersteller auf der Fachmesse E3 einen neuen Hype erzeugen wollen – und dabei viel heiße Luft produzieren.

LOS ANGELES. Das war alles? Wie versprengte Söldnertruppen irren Fachbesucher, Journalisten, Blogger und Analysten orientierungslos durch die Gänge des LA Convention Centers. Die großen Videokonsolenhersteller und Softwarefirmen haben auf der Gamingmesse E3 ihre Fahrpläne für die zweite Jahreshälfte herausgegeben, und alle Fragen bleiben offen. An Neuem kam nicht viel mehr heraus als ein Krieg der Spielecontroller und ein Einschlafsensor für Nintendos Wunderkonsole Wii.

Nintendos President Satoru Iwata präsentierte den Prototypen des Vitality-Sensors der verblüfften Menge im Club Nokia. Der Spieler steckt die Spitze eines Zeigefingers in das Gerät, es misst den Puls und stellt den Grad an Nervosität, Anspannung oder Konzentration fest. „Bislang“, sagte Iwata, „ging es beim Spielen immer darum, die Anspannung zu steigern. Vielleicht wird es einmal auch andersherum sein.“

Dabei ist es so manchem Beobachter ohnehin schon zu ruhig in der Branche, trotz der unablässig wummernden Musik und der ständigen Explosionsgeräusche in den aufgeheizten Messehallen. Die Videokonsolenbranche steckt in einer schwierigen Phase. Im März und April sind in den USA die Verkäufe von Konsolen und Software erstmals seit 2003 in zwei aufeinanderfolgenden Monaten gesunken, hat der Marktbeobachter NPD Group ermittelt.

Das liegt nur zum Teil an der allgemeinen Wirtschaftskrise.Seit 2007 ist die aktuelle Modellgeneration im Markt, und wer eine Konsole haben wollte, der hat inzwischen eine. Selbst Nintendos Wii – lange Mangelware – stapelt sich in den Auslagen der Wal Marts und Gamestop-Filialen. Aber erst in frühestens zwei bis drei Jahren wird es verbesserte Hardware geben. Bis dahin müssen die Käufer bei Laune gehalten werden. Unter Umständen auch länger: „Die Hersteller werden versuchen, den Lebenszyklus der Hardware auszuwalzen“, zeigt sich Michael Cai, Analyst der Researchfirma Interpret in Santa Monica, im Gespräch mit dem Handelsblatt sicher.

Außer Nintendo ist es keinem gelungen, Geld zu verdienen. Sony hat erst 22 Mio. seiner PS3 verkaufen können, nach Analystenschätzungen liegen die Herstellungskosten bei rund 440 Dollar. Bei einem Verkaufspreis um 400 Dollar bleibt Playstation-Chef Kazuo Hirai kaum Raum für Preissenkungen, obwohl er den Fehlbetrag seiner Sparte fast auf Null reduzieren konnte. Denn der Gesamtkonzern hat schwere Probleme: Sony-Chef Howard Stringer hat nach einem Jahresverlust von einer Mrd. Dollar allen Sparten einen strikten Sparkurs verordnet.

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