Ehre der Blogger
Heidi, deine Welt ist nicht das Internet

Nicht jeder muss wissen, was Weblogs sind und wie Google funktioniert – es kann aber ganz nützlich sein. Dem Vater des Models Heidi Klums und dem Sozialgericht Bremen hätte das Wissen geholfen, eine Blamage zu vermeiden.

DÜSSELDORF. Zunächst hält Patrick Breitenbach die E-Mail für einen Scherz. Denn der Absender ist Günther Klum. Und der ist Vater und Manager von Top-Model Heidi Klum. Doch das Schreiben ist keine massenhaft versandte Werbebotschaft, sondern eine Art Abmahnung: „Da der Name Heidi Klum gesetzlich geschützt ist, (...) bitte ich Sie, den Namen aus Ihrer URL zu entfernen und die Werbung mit dem Namen Heidi Klum einzustellen.“

Dabei hatte der freiberufliche Mediendesigner nur sein Hobby gepflegt: Zusammen mit anderen Autoren füllt er ein Weblog über Werbung (www.werbeblogger.de). Lesen ist kostenlos, nicht mal Werbung gibt es auf der Seite. Die Zahl dieser Onlinejournale, in denen die Leser mit den Autoren direkt diskutieren können, steigt täglich, weltweit gibt es mehr als 24 Millionen. Und immer häufiger geraten die Blogschreiber in Konflikt mit Unternehmen, die glauben, ihre Markenrechte würden verletzt.

So wie im Fall Heidi Klum. Am 30. November hatte Breitenbach kurz über einen Werbevertrag zwischen McDonald’s und dem Model berichtet. In der Internetadresse dieses Artikels, URL in der Fachsprache, taucht ihr Name auf. Das ist in der Onlinewelt nicht ungewöhnlich: Berichtet die Internetausgabe der „Bild“ über Heidi Klum, erscheint ihr Name ebenfalls in der Webadresse. Klums Vater mag das im Fall von Breitenbach nicht einsehen – und liefert mit dieser Einstellung ein Musterbeispiel, wie man sein Image im Internet ramponiert.

Die Affäre ist längst über den Globus verbreitet. 10 000 Seitenabrufe zählte allein der Werbeblogger am vergangenen Dienstag, auf zahlreichen anderen Blogs wird der Fall diskutiert. Auch die ersten US-Blogs berichten. So betont Being Reasonable (being-reasonable.com), dass sich die Geschichte auch ohne Deutschkenntnisse verfolgen lasse – dank Google-Übersetzungsfunktion. Wer bei den Suchmaschinen „Heidi Klum“ eingibt, erfährt schnell von ihrem Vater und seinem Gebaren. Eine Beschneidung der Meinungs- und Pressefreiheit sei dies, schreiben die Blogger. Solche Artikel wären schnell vergessen, stünden sie in Zeitungen. Im Internet bleiben sie dagegen dauerhaft erhalten.

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