"Ein Laptop pro Kind"
Laptop-Projekt in Peru enttäuscht

Es sollte ein wegweisendes Projekt für Bildung und gegen Armut werden. Staatlich finanzierte wurden 800.000 Laptops an peruanische Kinder verteilt. Doch eine Studie zeigt kaum Lernfortschritte bei den Schülern.
  • 0

LimaDie Idee "Ein Laptop pro Kind" schwirrt seit Jahren im Kampf gegen Armut und für mehr Bildung durch die Welt. In Peru wurden auf Staatskosten bereits mehr als 800.000 der speziell entwickelten Mobilcomputer an Schüler verteilt. Eine erste Bilanz von dort lässt aber daran zweifeln, ob das zunächst so überzeugend klingende Programm tatsächlich den gewünschten Erfolg erbringen kann.

"Wir haben Computer ausgegeben, ohne die Lehrer vorzubereiten", fasste Sandro Marcone zusammen, der das Projekt im Bildungsministerium koordiniert. Von Softwarefehlern, mangelnden Internetverbindungen und gar fehlendem Strom ist in Peru die Rede.

"Es gibt nur wenig Beweise für die Effizienz dieses Programmes", schrieb die Interamerikanische Entwicklungsbank (IADB), die 15 Monate nach der Verteilung der XO-Laptops genannten Computer die Lernergebnisse in 319 Schulen untersuchte.

Keine besseren Ergebnisse im Matheunterricht

Der Studie zufolge führte der Einsatz von XO-Laptops nicht zu besseren Ergebnissen im Mathematik- oder Sprachunterricht und konnte die Schüler nicht zu mehr Zeit für Hausaufgaben verleiten. Auch erhöhte Lehrqualität oder Leselust seien nicht feststellbar. "Die Studie widerlegt eindeutig das Wunschdenken, dass der schiere Einsatz von Technik Änderungen ankurbeln und das Lernen verbessern kann", sagte der Chilene Eugenio Severin, einer der Autoren der Untersuchung.

Positiv verbuchten die Experten immerhin, dass der "dramatisch vereinfachte Zugang zu Computern" abstraktes Denken, mündliches Ausdrucksvermögen und das Tempo der Informationsverarbeitung gefördert hätten.

Mehr als 200 Millionen US-Dollar (163 Millionen Euro) hat sich die peruanische Regierung das Programm kosten lassen. Oscar Becerra, der das Projekt vor Marcone leitete, wollte trotz der bescheidenen Ergebnisse nicht von einem Fehlschlag sprechen und nannte die in der IADB-Studie festgestellten Fortschritte beim abstrakten Denken "spektakulär".

"Nicht genug durchdacht"

"Wir wussten von Beginn an, dass es unmöglich sein würde, die Lehrer fortzubilden", sagte Becerra und verwies auf eine Erhebung von 2007 unter 180.000 Lehrern in Peru. 90 Prozent der Unterrichtenden mangelte es demnach an mathematischen Grundkenntnissen und 60 Prozent erreichten bei ihren Lesefähigkeiten gerade einmal das Niveau eines Sechstklässlers.

Seite 1:

Laptop-Projekt in Peru enttäuscht

Seite 2:

„Nicht weit genug durchdacht“

Kommentare zu " "Ein Laptop pro Kind": Laptop-Projekt in Peru enttäuscht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%