Ein Photokina-Rundgang
Der Film lebt

Digitale Fotografie ist in. Das zeigt einmal mehr die Photokina in Köln. Überall auf der Branchenmesse werben die Hersteller mit ihren Pixel-Boliden; analoge Neuheiten sucht man dagegen auf den großen Ständen vergebens. Doch tot ist der Film keineswegs. In Nischen lebt er weiter. Handelsblatt.com hat sich auf die Suche begeben und ist fündig geworden.

KÖLN. Was für ein Absturz: Hatte Traditionshersteller Nikon auf der Photokina vor zwei Jahren noch stolz seine analoge Profikamera F6 präsentiert, versteckt der japanische Konzern das gut 2 000 Euro teure Gerät nun in einer Glasvitrine am Rande seines Standes. Den Platz in der Mitte hat die neue digitale Spiegelreflexkamera D80 eingenommen, umrahmt von allerlei kleineren Geschwistern. Noch schlechter ergeht es den analogen Fotoapparaten von Branchenprimus Canon. Nicht ein einziges Modell steht auf dem weitläufigen Areal in Halle 3.

Bei den großen Fotofirmen - Marktführer Nikon und Canon sind da die besten Beispiele - ist der Film abgeschrieben. Nicht mal mehr der weltgrößte Filmhersteller Kodak steht zu dem Produkt, das ihn einst groß gemacht hat. Wer auf dem Stand der US-Amerikaner die altbekannten Kleinbild-Patronen sucht, muss schon sehr genau hinsehen. In einer winzigen Vitrine stehen lieblos präsentiert ein paar Exemplare - dabei wollen Millionen analoger Kameras weiter gefüttert werden. Agfa Photo ist insolvent und gar nicht mehr auf der Messe vertreten. Einziger Lichtblick bei den Großen ist Fuji. Die Japaner haben passend zur Photokina einen neuen Diafilm herausgebracht und zeigen ihn auch vor.

Es sind aber vor allem die kleinen Firmen, die dem Film die Treue halten. Und das mit Erfolg. Am eifrigsten ist Maco. Unter dem lizenzierten Markennamen Rollei vertreiben die Hamburger weltweit das lichtempfindliche Material - egal ob Kleinbild oder das größere Mittelformat. Spezialität von Maco ist Schwarz-Weiß-Material; die passende Chemie zum Entwickeln und das passende Papier liefert das Unternehmen gleich mit.

"Junge Leute, vor allem Studenten, haben Schwarz-Weiß wiederentdeckt", erläutert Firmensprecher Gert Koshofer die Beweggründe für das Engagement. Das Material bezieht Maco aus unterschiedlichen Quellen: Der eine Teil sind Restbestände von Agfa ("Das reicht noch für Jahre"), der andere Teil sind Eigenentwicklungen in Zusammenarbeit mit Partnern. Geforscht wird am traditionsreichen Standort Wolfen, wo erst Agfa und später Orwo Filme herstellte. Die Produktion findet heute in Ungarn statt. Die Meterware wird schließlich im nordrhein-westfälischen Bergheim geschnitten und verpackt. Auf diese Weise können sogar spezielle Wünsche erfüllt werden, etwa ein besonders einfach zu scannender Farbfilm, ein Schwarz-Weiß-Diafilm oder ein Infrarotfilm.

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