Einzelhandel: Amazon-Deutschland-Chef sieht neue Ladenschlusszeiten gelassen

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Amazon-Deutschland-Chef sieht neue Ladenschlusszeiten gelassen

Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber sieht die verlängerten Ladenöffnungszeiten im deutschen Einzelhandel nicht als Bedrohung des Versandhandelsgeschäfts.

dpa MüNCHEN. Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber sieht die verlängerten Ladenöffnungszeiten im deutschen Einzelhandel nicht als Bedrohung des Versandhandelsgeschäfts.

„Wir können unsere Öffnungszeiten nicht mehr verlängern, wir sind 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag erreichbar“, sagte Kleber am Freitag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Und ob der Kunde wirklich Spaß hat, nachts um 23.00 Uhr im Media Markt rumzulaufen, weiß ich nicht.“ Dennoch sehe er im stationären Handel mit einem Anteil von 94 Prozent am Gesamteinzelhandel den wahren Konkurrenten.

Die verstärkten Online-Bemühungen der Handelskonzerne Otto und Karstadt-Quelle begrüßt er dagegen. „Jedes starke Angebot im Internet hilft, die Vorteile des Internets weiter publik zu machen“, sagte Kleber. Wachstumsmöglichkeiten gebe es bei einem derzeitigen Anteil des Online-Handels am Gesamthandel von sechs Prozent für alle genügend. „Da kann ich die Online-Konkurrenz außer Acht lassen, mich ganz auf den Kunden konzentrieren.“

Trotz eines deutlichen Gewinnrückgangs beim weltgrößten Online- Einzelhändler Amazon.com im vergangenen Jahr spricht Kleber von einem hervorragenden Jahr 2006. „Wir hatten ein super Jahr. Wir haben den Umsatz um 26 Prozent gesteigert und dabei die 10-Mrd.-Dollar- Marke überschritten.“ Der Gewinnrückgang sei dagegen vor allem auf einmalige steuerliche Effekte zurückzuführen, die zudem bekannt gewesen seien. „Das sieht man auch an der positiven Reaktion der Börse auf unsere Zahlen.“

In das neue Jahr gehe Amazon mit einer gehörigen Portion Optimismus. Im laufenden ersten Quartal wolle das Unternehmen den Umsatz um 25 bis 32 Prozent steigern, im Gesamtjahr um 21 bis 28 Prozent. „Dass wir so früh eine so positive Prognose für das Gesamtjahr abgeben, ist absolut unüblich und zeigt unsere Zuversicht.“ Die gelte auch für das Deutschland-Geschäft trotz der Mehrwertsteueranhebung. „Die fällt bei unserem Produktangebot nicht so ins Gewicht. Wir verkaufen ja zur Zeit keine Autos.“ Gesonderte Zahlen für Deutschland weist Amazon nicht aus.

Nach der Inbetriebnahme des zweiten Logistikzentrums in Leipzig im vergangenen Jahr plant Kleber in diesem Jahr keine größeren Investitionen in Deutschland. „Wir sind mit unseren Versandzentren in Bad Hersfeld und Leipzig gut aufgestellt.“ Investitionen seien daher nur in neue Produktfelder geplant. Denkbar sei dabei grundsätzlich jede Produktlinie - auch Bekleidung, Schmuck, Delikatessen, Schuhe oder der Handel mit rezeptfreien Medikamenten, sagte Kleber. Konkrete Pläne will der Deutschland-Chef jedoch für sich behalten. „Unsere Strategie ist es, mit der Zeit alles anzubieten, was der Kunde auch haben will.“

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