Electronic Arts
Videospiele á la Hollywood

Längst werden Videospiele in Los Angeles mit Film-Mitteln produziert. Oft werden auch Kostümbildner, Visagisten und Filmstudios benötigt: Willkommen bei Electronic Arts (EA), dem Videospiel-Weltmarktführer.

DÜSSELDORF. Die wichtigen Entscheidungen werden in Los Angeles seit jeher nicht in den noblen Konferenzräumen über den Dächern der Stadt getroffen, sondern in unscheinbaren und dunklen Zimmern: Jedes Filmstudio besitzt einen kleinen Vorführraum mit 20 bis 50 Plätzen, in denen die Filme den Studiobossen und Investoren vorgeführt werden.

In diesen Mini-Kinos bekamen Movie-Mogule wie Jack Warner ihre legendären Tobsuchtsanfälle, hatten brillante Geistesblitze, befahlen Neudrehs und den Umschnitt. Auch in dem Gebäude am 5510 Lincoln Boulevard gibt es im Erdgeschoss ein kleines Kino. Nur dass hier keine Komödien und Actionfilme ihre Premiere erleben, sondern Autos über den Bildschirm rasen und Fußballer und Soldaten um jeden Zentimeter kämpfen. Nebenan spielen ein paar Programmierer und Computerfreaks in ihrer Mittagspause ein bisschen Billard. Willkommen bei Electronic Arts (EA), dem Videospiel-Weltmarktführer, in seinen brandneuen Produktionsstudios im Herzen von Los Angeles. Schon die Standortwahl wirkt wie eine Ansage an die Filmindustrie: Wir sind jetzt die Traumfabrik!

Am 23. März kommt mit der Playstation 3 von Sony auch die dritte Next-Generation-Konsole auf den Markt. Wie auch die Mitbewerber Microsoft und Nintendo bietet Sony den Fans von interaktiver Unterhaltung eine nie gesehene Technik-Power: mehr Bits, mehr Bytes, mehr Hertz. „Aber es geht nicht nur um Zahlen“, meint Neil Young, General Manager der EA-LA-Studios, „wir beginnen gerade erst, das Potenzial des Mediums auszuschöpfen.“

1984 erschien in einigen Fachmagazinen eine doppelseitige Anzeige. „Can a Videogame Make You Cry?“ fragte EA seine Kunden und Kollegen. Kann es den Spieler berühren, verändern, kann es also mehr sein als ein bunter Reaktionstest, vielleicht sogar ein Kunstwerk? Neil Young beantwortet diese Frage auch im Jahr 2007 immer noch mit einem gequälten „Noch nicht“. Natürlich ist Los Angeles der richtige Ort, um an dieser Zukunft des Entertainments zu arbeiten. Hier haben Warner Brothers, Paramount und Universal die Mythen der Moderne produziert, haben die Menschen berührt, verändert und zum Weinen gebracht. Hier funkeln die Sterne auf dem Boulevard.

Längst werden Videospiele mit Film-Mitteln produziert – oft benötigt man auch Kostümbildner, Visagisten und Filmstudios. Gerade hat man bei EA-LA zwei Projekte „abgedreht", das Kriegsspiel „Medal of Honor: Vangard“, in dem der Spieler die Rolle eines GIs bei der Invasion von Europa übernimmt. Und das Strategiespiel „Command and Conquer“. Dafür standen 20 Schauspieler vor der Kamera.

Richard Taylor, bei EA verantwortlich für reale Drehs, so genannte „Live-Action“, hat in den Studios von Culver City und einige Tage auf Hawaii gefilmt. „Wir verwenden die gleichen Techniken wie Hollywood“, sagt der Branchen-Veteran. Bei der Motion-Capturing-Technik kleben die Videospiel-Produzenten Schauspielern weiße Punkte auf den Körper; die Darsteller kämpfen dann mit Schwertern oder Gewehren. Die Bewegung der Punkte dient dann als Grundlage für die Computeranimation.

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