Elektro
Benq setzt auf Entwicklung statt Produktion

München (dpa) - Der insolvente Handyhersteller Benq Mobile sieht in der Produktion von Mobilfunkgeräten offenbar keine allzugroßen Zukunftschancen mehr. Schwerpunkt des neuen Geschäftsplans sei die Entwicklung von Mobilfunkgeräten für andere Hersteller.

München (dpa) - Der insolvente Handyhersteller Benq Mobile sieht in der Produktion von Mobilfunkgeräten offenbar keine allzugroßen Zukunftschancen mehr. Schwerpunkt des neuen Geschäftsplans sei die Entwicklung von Mobilfunkgeräten für andere Hersteller.

Das teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Prager am Freitag in München mit. Die Krise der früheren Siemens-Handysparte könnte unterdessen auch den weiteren Umbau des Elektrokonzerns bremsen. Die IG Metall will sich angesichts der Pleite von Benq Mobile derzeit nicht auf Zugeständnisse beim verlustreichen IT-Dienstleister SBS von Siemens einlassen.

Siemens komme seinen Verpflichtungen bei Benq nicht nach, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer der dpa in München. „Bevor diese massive Vertrauenskrise nicht aufgeklärt ist, werde ich nicht so wahnsinnig sein und noch einmal einen Vertrag unterschreiben.“ Siemens hatte am Vortag eine Umstrukturierung von SBS angekündigt. Eine entscheidende Voraussetzung sei aber ein erfolgreicher Abschluss der Verhandlungen mit der IG Metall. Zugleich betonte Siemens, man dürfe die Entwicklungen bei Benq Mobile und SBS nicht in Zusammenhang bringen.

Siemens hatte seine Handysparte vor einem Jahr an den taiwanesischen Benq-Konzern abgegeben. Dieser drehte seiner deutschen Tochter mit 3 000 Beschäftigten vor zwei Wochen den Geldhahn zu. Nach dem Insolvenzantrag von Benq Mobile legte Siemens einen 35-Millionen-Euro-Fonds auf. Der IG Metall geht das aber nicht weit genug. Siemens habe in Betriebsvereinbarungen zugesagt, dass innerhalb von drei Jahren jeder Beschäftigte Anspruch auf einen Sozialplan habe, sagte Neugebauer. „Die 35 Mill. Euro reichen dafür hinten und vorne nicht.“ Um die Beschäftigten von Benq Mobile für ein Jahr in einer Beschäftigungseinheit aufzufangen, seien etwa 150 Mill. Euro notwendig. Dieses Geld müsse erst einmal von Siemens kommen. Siemens wollte sich nicht zu den Gesprächen mit der IG Metall äußern.

In jedem Fall steht bei Benq Mobile ein größerer Stellenabbau bevor. Die Neuausrichtung des Unternehmens auf Forschung und Entwicklung sowie auf Design-Entwürfe sei naturgemäß mit einem Stellenabbau verbunden, erklärte Insolvenzverwalter Prager. Eine Zahl nannte er aber auch am Freitag nicht.

Die Produktion von Handys soll zwar erst einmal weitergehen. Die Fertigung wurde von Prager aber bei den künftigen Schwerpunkten nicht erwähnt. Prager hatte am Vortag gemeinsam mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft über die Situation diskutiert. Der Insolvenzverwalter sieht durchaus Perspektiven für das Unternehmen mit derzeit gut 3 000 Mitarbeitern. „Benq Mobile verfügt über einzigartige technologische Kompetenzen, die das Unternehmen für Investoren attraktiv machen.“ So sei Benq anderen Entwicklern unter anderem bei der Mechanik und der Materialverarbeitung, bei Menüfuhrungen und der Miniaturisierung voraus.

Er habe bereits Verhandlungen mit potenziellen Interessenten aufgenommen, sagte Prager. Er könne sich auch vorstellen, dass Benq Mobile in Deutschland Handys für Markenunternehmen aus den Bereichen Mode, Sport oder Internet entwickelt. In Branchenkreisen zeigte man sich aber skeptisch. Viele Ingenieure hätten das Unternehmen bereits verlassen, sagte ein Experte. Zudem hängt das Schicksal von Benq Mobile stark vom Verhalten der Netzbetreiber ab, die mit weitem Abstand die wichtigsten Kunden sind. T-Mobile hatte wegen der ungewissen Situation neue Bestellungen erst einmal auf Eis gelegt. Laut Branchenkreisen ist noch keine Entscheidung gefallen, wann die Geräte wieder neu in die Regale kommen.

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