Elektronik-Konzerne
Chinesen nehmen Europa ins Visier

Auf der Ifa in Berlin tummeln sich die Besucher vor allem an den glänzenden Ständen der bekannten Elektronik-Konzerne. In Halle 25 dagegen, in der viele chinesische Unternehmen zu finden sind, bleibt der Besucherfluss eher überschaubar. Doch glaubt man IBM-Manager George Bailey, könnte sich das in ein paar Jahren grundlegend ändern.

dpa BERLIN. Bereits in den kommenden zwölf Monaten würden junge, aggressive chinesische Wettbewerber wie der Haier-Konzern verstärkt auch auf die etablierten Märkte zum Beispiel in Europa vordringen, und die Platzhirsche schwer unter Druck setzen, glaubt er. Bailey muss es wissen: Bei IBM führt er den vier Mrd. Dollar schweren Elektronik-Bereich, der Unternehmen der Branche berät.

Dabei geht es nicht mehr um das Segment "Niedriger Preis, schlechte Qualität". Die chinesischen Firmen, die jahrelang verlängerte Werkbank der Elektronik-Riesen waren, und in der Öffentlichkeit noch oft als billige Nachahmer wahrgenommen werden, haben Know-How und Geld angesammelt und wollen auf eigene Faust hoch hinaus. "Wir haben auch eine eigene Entwicklungsabteilung und ein Design-Zentrum in Europa", betont Haier-Deutschland-Vertriebschef William Cantara.

Eine Eigenentwicklung ist zum Beispiel die Waschmaschine, in die man kein Waschmittel einfüllen muss: Pro Wäsche kommen zwei Gramm Tenside aus einem eingebauten Behälter ins Wasser, den Rest erledigt ein Elektrolyse-Verfahren, bei dem sich der Schmutz mit negativen Ionen verbindet. Der eingebaute Tank ist auf zehn Jahre ausgelegt und würde von Haier bei Bedarf kostenlos nachgefüllt. Im Dezember soll die Waschmaschine in Deutschland in den Handel kommen, ab November will Haier hierzulande auch Flachbild-Fernseher in die Läden bringen.

Dabei solle die Ware nicht verscherbelt werden, betont Cantara. "Wir wollen auf Jahre eine Marke aufbauen, nicht Umsatz schieben." 60 Mill. Euro sei daher das Umsatzziel für das erste Jahr. In fünf Jahren wäre er mit einem Marktanteil von zehn Prozent schon zufrieden. "Wir wissen, dass wir genauso gut wie Philips oder Bosch Siemens sein müssen, oder sogar besser, um hier mit einem Preisabschlag von zehn bis 15 Prozent verkaufen zu können." Auch bei anderen chinesischen Unternehmen auf der Ifa heißt es, man sei da, um sich nach Vertriebspartnern umzusehen.

Der IBM-Manager traut den Chinesen zu, möglicherweise schneller die relevanten Innovationen begreifen und umsetzen zu können als etablierte Riesen-Konzerne. Kleinere Unternehmen hätten kürzere Entscheidungswege, nicht so viele "Nein"-Sager und das könne sich gerade bei den schnellen Entwicklungszyklen in der Elektronik als entscheidend erweisen. "Letztlich geht es doch darum, die Bedürfnisse der Verbraucher zu erfüllen - auch wenn sie denen selbst vielleicht noch gar nicht bewusst sind."

Während die heutigen Marktführer mit der Globalisierung ringen - "im schlimmsten Fall leiden sie unter den Auswüchsen von Zentralisierung und Dezentralisierung gleichzeitig", wie Bailey es sagt - haben die Chinesen ihre eigenen Probleme. "Während die Japaner ihre ausländischen Gesellschaften strikt unter Kontrolle halten, legen die Chinesen ihren Landes-Managern die ganze Verantwortung in die Hand. Wenn da einer Fehler macht, wird es fatal", sagt ein Branchenkenner. Und auch der Erfolg als Zulieferer kann das Leben schwerer machen. "Wir verkaufen unsere eigene Marke nicht in Europa, weil unsere Kunden, denen wir Teile liefern, dann unzufrieden wären", heißt es zum Beispiel bei drittgrößten chinesischen Fernseher- Hersteller Skyworth. In China verkaufte die Firma im vergangenen Jahr neun Mill. Fernseher, in etwa das Doppelte des gesamten deutschen Marktes - hauptsächlich allerdings Röhrengeräte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%