Elektronik
Philips verkauft Chip-Sparte für 6,4 Milliarden Euro

Der Verkauf des schwankungsabhängigen Halbleitergeschäfts spült Philips insgesamt 6,4 Mrd. Euro in die Kassen.

dpa AMSTERDAM/HAMBURG. Der Verkauf des schwankungsabhängigen Halbleitergeschäfts spült Philips insgesamt 6,4 Mrd. Euro in die Kassen. Dafür erhält ein Finanzinvestoren-Konsortium um Kohlberg Kravis Roberts (KKR), Silver Lake Partners und Alpinvest Partners 80,1 Prozent der Chip-Sparte, 19,9 Prozent bleiben beim Traditionsunternehmen aus Eindhoven.

Etwa vier Mrd. Euro will Philips mittels Dividenden und Aktienrückkauf an die Anteilseigner ausschütten. „Wir lösen Philips von der Unbeständigkeit der Halbleiterbranche“, begründete Konzernchef Gerard Kleisterlee am Freitag in Amsterdam den Schritt. Rivale Siemens hatte sich schon vor langem von seiner Chip-Sparte getrennt, vor zwei Jahren war es Motorola.

Kleisterlee kündigte an, dass auch die Anteile am Flachbildschirm- Produzenten LG Philips LCD abgegeben werden sollen. Dort sei Philips allerdings noch bis Mitte des kommenden Jahres gebunden. Auch vom Chiphersteller Tsmc will Philips sich trennen. Der Umbau des ehemals breit gefächerten Elektronikkonzerns sei damit so gut wie abgeschlossen, sagte Kleisterlee, der diesen Weg seit seinem Amtsantritt 2001 eingeschlagen hat: „Wir sind nicht mehr das Elektronikunternehmen, das alles selber macht.“ Philips werde sich noch stärker auf die Bereiche Medizintechnik und Lifestyle konzentrieren.

Die Chipsparte von Philips wird bei dem seit längerem erwarteten Verkauf mit 8,3 Mrd. Euro bewertet. Das setzt sich zusammen aus dem Kaufpreis in Höhe von 3,4 Mrd. Euro, der Übernahme von Schulden und Verbindlichkeiten in Höhe von vier Mrd. Euro sowie 900 Mill. Euro für die im Besitz von Philips verbleibenden Anteile. Nach Steuern und anderen Kosten soll der Deal 6,4 Mrd. Euro in die Philips-Kasse bringen. Die Transaktion wird nach Angaben von Finanzvorstand Pierre-Jean Sivignon Anfang Oktober abgeschlossen.

Frans van Houten, bislang im Philips-Vorstand für die Chip-Sparte zuständig, sieht zurzeit keine Gefahr für die 37 000 Arbeitsplätze seines Unternehmens weltweit, davon mehr als 3 100 in Deutschland. Es komme jedoch darauf an, diese Jobs wettbewerbsfähig zu halten. Die neuen Eigentümer seien bereit, in den Ausbau des Unternehmens zu investieren, doch auch Zusammenschlüsse seien eine Option.

„Die KKR ist nach unseren Informationen keine typische Heuschrecke“, sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Philips Semiconductor in Deutschland, Lothar Barop, der dpa. „Von den Investoren, die uns bekannt waren, ist dies die beste Lösung.“ Allerdings habe es keine Jobgarantien gegeben. Hamburg ist in Deutschland der größte Fertigungs-Standort der Sparte mit 2 400 Beschäftigten. Zweitgrößter ist Böblingen. Entwicklungszentren gibt es zudem in Dresden, Starnberg und Nürnberg.

Kleisterlee wertete die Trennung von der Halbleitersparte als „entscheidenden Moment“ für den Umbau des 115 Jahre alten Konzerns. Er deutete an, dass Royal Philips Electronics künftig nur noch als Royal Philips firmieren werde. Weitere Investitionen und Akquisitionen in den neuen Kernbereichen würden folgen, wenn sie sinnvoll seien. Die Übernahmen von Stentor (Medizintechnik) und Lumiled (Beleuchtung) vor einem Jahr hätten bereits gezeigt: „Das Geld verbrennt nicht in unseren Taschen.“

Frans van Houten wird Chef des neuen eigenständigen Halbleiter- Unternehmens, dessen Sitz im niederländischen Eindhoven bleibt. Es werde sich bei der Internationalen Funkausstellung in Berlin Anfang Dezember mit neuem Namen und neuem Profil vorstellen, kündigte er an.

Philips folgt mit der Chip-Entscheidung der Reihe großer Elektronik-Konzerne, die sich von den stark konjunkturabhängigen Halbleiter-Geschäften getrennt haben. Der weltweit zweitgrößte Handyhersteller Motorola hatte seine Halbleiter-Sparte bereits im Jahr 2004 unter dem Namen Freescale an die Börse gebracht. Seit Dezember 2005 ist der Flashspeicher-Spezialist Spansion des weltweit zweitgrößten Mikroprozessoren-Herstellers AMD an der Börse. Zuletzt hatte der Halbleiter-Hersteller Infineon Anfang Mai sein Geschäft mit Dram-Speicherchips ausgegliedert und konzentriert sich nun auf das stabilere Geschäft mit Logikchips. Die Infineon Technologies AG war 1999 aus der Ausgliederung des Halbleitergeschäfts der Siemens AG - mit anschließendem Börsengang im Jahr 2000 - hervorgegangen.

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