Elektronischer Pass
Biometrie-Firmen streiten um das beste System

Der neue biometrische Reisepass, mit dem Deutschland seit November technologisch eine Vorreiterrolle einnimmt, könnte sich als Innovationsmotor für die deutsche Sicherheitsbranche erweisen: Daran glaubt nicht nur der IT-Branchenverband Bitkom.

DÜSSELDORF. Auch der IT-Sicherheitsdienstleister Secunet setzt auf Impulse für die heimische Biometrieunternehmen. „Deutschland profiliert sich hier als technologieführende Nation“, sagt Marco Breitenstein, Biometrie-Berater von Secunet. „Durch die frühe Einführung haben die Unternehmen Zeit, in Ruhe zu testen und Erfahrungen zu sammeln.“

Seit November enthalten alle neu ausgestellten Pässe ein elektronisch interpretierbares Foto. Dennoch werden wohl erst in ein bis zwei Jahren in größerem Umfang an Flughäfen entsprechende Erkennungssysteme aufgestellt. Denn erst wenn ein signifikanter Anteil der Reisenden einen biometrischen Pass hat, lohnt sich der Einsatz der Geräte. Ab 2007 sollen die Pässe auch Fingerabdrücke enthalten. Secunet rechnet damit, dass die staatlichen Behörden ab 2009 entsprechende Erkennungsgeräte installieren werden. Die Biometriebranche kann weit mehr als Gesichter und Fingerabdrücke scannen. Eine Vielzahl von Firmen setzt auf unterschiedlichste Erkennungs-Technologien – mal geht es um die Iris, die Sprache oder den Handabdruck, mal um die Unterschrift, den Gang oder das Tippverhalten am Computer. Die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Systeme sei höchst verschieden, ergaben Tests von Secunet. „In zahlreichen Evaluierungsprojekten trennt sich klar die Spreu vom Weizen“, berichtet der Essener Biometrie-Berater Breitenstein. Veröffentlicht werden die Ergebnisse nicht, doch als wichtigste Anbieter von Gesichtserkennungssoftware nennt Breitenstein Cognitec und Viisage, im Bereich Fingerabdruck Dermalog und NEC und bei der Iriserkennung Iridian Technologies.

Auch in zwei Untersuchungen der amerikanischen und der deutschen Regierung hat für Gesichtserkennung Cognitec die besten Ergebnisse erzielt. Der Entwicklungschef der Dresdner Firma, Volker Kempert, sieht die Gesichtserkennung generell gegenüber anderen biometrischen Identifikationsverfahren klar im Vorteil, da sie die geringsten Vorbehalte in der Bevölkerung provoziere. Ein Foto habe der Pass ja jetzt schon. Die Fingerabdruck-Identifikation sei jedoch preisgünstiger und bei den meisten Personen zuverlässiger. Mit Ausnahmen: Maurer oder Turner haben ihre Fingerkuppen oft bis zur Unkenntlichkeit abgenutzt. Im Fußballstadion der niederländischen Stadt Eindhoven testete Cognitec das System bereits, um Hooligans auf den Tribünen zu identifizieren. „Das lief relativ erfolgreich“, sagt Kempert. Gleichwohl reichen schon Sonnenbrillen oder Baseballkappen, um die Erkennungsrate in den Keller zu schicken.

Der auf Biometrie und Sicherheit spezialisierte Unternehmensberater Henning Arendt sieht auch in der Privatwirtschaft etliche Anwendungsfelder für die Biometrie. So sei ein durchschnittlicher PC-Nutzer jährlich 44 Stunden mit Anmeldungen per Passwort beschäftigt und ein großer Teil der Computeradministration entfalle auf vergessene Passwörter. Fingerabdruck-Identifizierung senke diesen Aufwand, sagt Arendt.

Die Wertschöpfung bei biometrischen Systemen entfällt laut Branchenverband Bitkom ohnehin zu vier Fünfteln auf allgemeine Software. Nur fünf Prozent der Kosten entfallen auf biometriespezifische Software und Hardware.

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