Elektronisches Papier wird langsam Realität
Plastikfolie verdrängt Zeitungspapier

Der Nachfolger des Papiers nimmt zumindest in den Labors Gestalt an. Nachdem selbst Großunternehmen wie Philips, 3M oder Xerox das Potenzial erkannt haben, macht die Forschung große Fortschritte.

hiz DÜSELDORF. Die Morgenzeitung der Zukunft ist pünktlich vor dem Frühstück da. Sie wird nicht vom Zeitungsboten vor die Haustür gelegt, sondern per Ladestation auf ein Stück Plastik übertragen, das in etwa die Konsistenz einer Overheadfolie hat. Noch ist dies eine Vision, könnte aber bald alltäglich sein.

Der Traum vom elektronischen Papier ist nicht neu. Schon 1978 arbeitete Nick Sheldon im Xerox-Forschungsinstitut PARC daran. Das Projekt Gyricon wurde jedoch nicht weiter verfolgt, weil das Management nicht an den Erfolg glaubte. Erst als Mitte der neunziger Jahre beim Massachusetts Institut of Technology (MIT) die elektronische Tinte das Licht der Welt erblickt, wurden man bei Xerox wieder aktiv.

Beide Verfahren basieren auf unterschiedlichen Ideen. Bei Gyricon werden mikroskopisch kleine „Bälle“ zwischen zwei Folien in eine Trägermasse eingebettet. Eine Seite des Balles ist weiß, die andere Schwarz. Über eine externe Spannung werden die Kugeln gedreht und damit entsteht ein Bild. Für farbige Darstellungen werden, wie beim Druck, farbige Kugeln eingebettet. E-Ink arbeitet ebenfalls mit mikroskopisch kleinen Kugeln, welche sich allerdings nicht drehen. Bei dieser Technik werden Farbteilchen in einen Teil der Kugeln eingebettet, die spannungsabhängig sichtbar sind. Bei bestimmten Strom-Spannungen „schwimmen“ die farbigen Kugeln oben, bei anderen werden sie von den weißen Kugeln verdeckt.

Aus dem MIT Projekt hat sich 1997 das Spin-Off E-Ink entwickelt, das mit dem Unterhaltungsriesen Philips zusammen konkrete Anwendungen entwickelt. Philips hat bereits die Produktion ultradünner, großflächiger und aufrollbarer Display-Prototypen angekündigt. Die neuen Screens vereinen auf einer Plastikfolie die Treiberelektronik der Aktivmatrix-Displays auf Polymerbasis mit einer reflektierenden Schicht aus "elektronischer Tinte".

Gyricon Media heißt der Xerox-Spin-Off, der die Zukunft der in Smart Paper umgetauften Technologie weiter verfolgen soll. Als Partner steht hier mit 3M ebenfalls ein Branchengigant zur Seite, der im elektronischen Papier ebenfalls ein großes Potenzial sieht.

Das Papier der Zukunft besteht demnach aus einer Kunststofffolie, die nicht bedruckt wird, sondern den Inhalt elektronisch darstellt. Es handelt sich um Bildschirme, die extrem dünn und flexibel konstruiert sind. Sie weisen dieselbe Lesefreudigkeit wie Papier auf und verbrauchen nur sehr wenig Energie. Ihre Verfügbarkeit könnte die Entwicklung von elektronischen Büchern, Zeitungen, Zeitschriften oder anderen innovativen Diensten erheblich beschleunigen.

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