Emi bietet Musik ohne Kopierschutz im Apple-Store
Musikbranche vor radikalem Richtungswechsel

Emi mischt die Musikbranche auf. Als erster großer Musikkonzern mit Stars wie Robbie Williams, den Rolling Stones und Pink Floyd will Emi künftig alle Titel im Internet auch ohne Kopierschutz (DRM) verkaufen. Das schien noch vor nicht allzu langer Zeit schier undenkbar zu sein. Mit dieser vor allem für die Verbraucher spektakulären Wende könnte Emi gemeinsam mit Apple dem Online-Musikmarkt einen kräftigen Schub verleihen.

HB HAMBURG. Wie Emi Music gemeinsam mit Apple-Chef Steve Jobs am Montag in London bekannt gab, wird das britische Unternehmen erstmals Musik in verbesserter Klangqualität (im MPEG-4 Codec) und ohne Kopierschutz im Internet vertreiben. Verbraucher könnten damit zum ersten Mal online gekaufte Musik auf jedem beliebigen Player uneingeschränkt nutzen. „Unser Ziel ist es, den Konsumenten das bestmögliche digitale Musik- Erlebnis zu bieten“, sagte Emi-Chef Eric Nicoli. Bislang hätten die DRM-Beschränkungen unter den Musikfans vielfach für Frustration gesorgt. Apples iTunes Music Store soll die erste Plattform sein, auf der das neue Angebot verfügbar sein wird.

Bei Apple sollen die Songs mit doppelter Bitrate (256 statt 128 Kilobit pro Sekunde) pro Stück statt für 99 Cent für 1,29 Euro beziehungsweise Dollar angeboten werden. Alben sollen auch mit höherer Qualität zum gleichen Preis wie kopiergeschützte Songs verkauft werden. Bis Ende 2007 könnten voraussichtlich die Hälfte der Songs im iTunes ohne Kopierschutz erhältlich sein, schätzte Apple-Chef Steve Jobs.

Bislang war ein möglichst sicherer Schutz der Online-Musik gegen illegale Piraterie für die Musikindustrie die absolute Grundvorgabe, um ihre Inhalte für den Online-Vertrieb freizugeben. Der Überzeugungskraft des als charismatisch geltenden Apple-Chefs im schwierigen Online-Musikgeschäft dürfte das Übereinkommen mit Emi nicht unwesentlich zu verdanken sein. Erst im Februar hatte Jobs in einem offenen Brief die Plattenfirmen Emi, Universal Music, Sony BMG und Warner Music aufgefordert, auf Kopierschutz zu verzichten. Ohnehin würden die gängigen Systeme nicht verhindern, dass Musik illegal kopiert wird.

Doch so sehr die Verbraucher von einem solchen Verzicht auf DRM-Systeme profitieren, könnte dies für Apple selbst auch ein sehr riskantes Spiel sein. Bislang waren Songs aus Apples iTunes Store ohne Ausnahme nur auf Apples eigenen iPods abspielbar. Apple ist seit Jahren unangefochtener Marktführer bei legalen Musik-Downloads mit einem Anteil von mehr als 70 Prozent weltweit. Und trotz des inzwischen fast unübersichtlichen Angebots von verschiedensten Playern ist es bislang noch keinem Hardware-Hersteller gelungen, die Marktführerschaft des iPod zu brechen.

Seite 1:

Musikbranche vor radikalem Richtungswechsel

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%