Empire of Sports
Second Life für Online-Sportler

Online schafft es jeder Bürohengst zum Bobfahrer. Doch nicht nur das: Tausende virtuelle Athleten laufen, werfen und springen im webbasierten Computerspiel Empire of Sports um die Wette - und bezahlen dafür. Mit seiner sportlichen Online-Parallelwelt will Christian Müller Millionen Nutzer gewinnen.

KÖLN. Bei seinen Kunden ist Christian Müller gefürchtet. Im Tennis zumindest. Als muskelbepackter Schönling haut er ihnen die Bälle um die Ohren. "Die Leute wissen, dass sie gegen mich oft verlieren", sagt er. Dabei kommt der 37-jährige Schweizer nicht mal ins Schwitzen, denn für die Duelle schickt er seinen Avatar auf den Platz. Schritte und Schläge steuert Müller über Maus und Tastatur seines Rechners.

Die Tennis-Arena ist Teil eines neuen virtuellen Sport-Komplexes im Internet. Empire of Sports heißt das im schweizerischen Zug ansässige Unternehmen, dessen Aufbau Müller als Geschäftsführer vorantreibt. Mit dem französischen Videospiele-Hersteller F4 startete die Infront Sports & Media vor drei Jahren das Projekt als Mehrheitseigner in einem Joint-Venture. Der Sportrechte-Vermarkter strebt auf den lukrativen Markt des Online-Spielens.

Die Perspektiven sind auch in Krisenzeiten gut: Allein in Deutschland wird die Computerspiele-Branche 2009 laut einer Studie des Beratungsunternehmens Pricewaterhouse-Coopers (PWC) gut zwei Mrd. Euro umsetzen - ein Plus von fünf Prozent gegenüber 2008. Dabei legen Online-Spiele mit 15 Prozent auf 176 Mio. Euro deutlich stärker zu. International führende Hersteller wie Blizzard ("World of Warcraft") erreichen Margen von um die 50 Prozent.

Von der Anmutung her erinnert Empire of Sports an die einst hochgejubelte Online-Parallelwelt Second Life, die inzwischen in Alltags-Ödnis erstarrt. Auf Straßen und Plätzen tummeln sich Figuren in knappen Sportklamotten: Jeder Muskel ist perfekt definiert, jede Haarsträhne sitzt. Dazu ein Hauch Kasernenhof: Vorwärts bewegen sich die Avatar-Athleten nur im Laufschritt.

Der Ehrgeiz der Teilnehmer soll verhindern, dass sich ein Niedergang à la Second Life bei Empire of Sports wiederholt. "Jeder hat die Chance, ein Star zu werden", sagt Müller. Der gelernte McKinsey-Berater ist seit der Kindheit leidenschaftlicher Gamer. Als Jugendlicher programmierte er selbst Computerspiele. Er spielte World of Warcraft, das erfolgreichste sogenannte Massive Multiplayer Online Game - also webbasierte Computerspiel für eine enorm große Teilnehmerzahl.

Den Erfolg will Müller nun im Sportbereich kopieren. "Man muss echte Emotionen erzeugen", sagt er. "Bei einem Duell mit dem Computer ist das schwierig." Anders beim Zweikampf Mensch gegen Mensch: "Als ich beim Online-Tennis zwei Matchbälle abgewehrt und noch gewonnen habe, da war ich wirklich glücklich."

In sechs Disziplinen - neben Tennis auch Fußball, Bob, Leichtathletik, Basketball und Skifahren - toben sich die Schreibtischsportler aus. Sie bilden Teams und Ligen. Nur wer viel übt, hält mit: Trainer, die am Straßenrand auf Kundschaft warten, unterweisen in Technikfragen. Bei Tanzübungen zu Techno verbessern Spieler Ausdauer und Beweglichkeit.

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