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Ende einer steilen Karriere: Carly Fiorina muss bei HP abdanken

Bis Mittwoch war sie die mächtigste Frau an der Spitze eines amerikanischen Unternehmens: Carleton Fiorina, genannt Carly, Chefin des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP).

dpa NEW YORK. Bis Mittwoch war sie die mächtigste Frau an der Spitze eines amerikanischen Unternehmens: Carleton Fiorina, genannt Carly, Chefin des Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP).

Jetzt ist sie nach Differenzen mit dem HP-Verwaltungsrat über die Umsetzung ihrer Unternehmensstrategie für den zweitgrößten amerikanischen Computerkonzern überraschend ausgeschieden.

Fiorina hatte sich als Architektin der umstrittenen und größten Fusion in der Geschichte der Informationstechnologie (IT), der Übernahme des Konkurrenten Compaq durch HP, einen Namen gemacht. Gegen den Einkauf für 19 Mrd. Dollar (15 Mrd Euro) hatten sich Mitglieder der HP-Gründerfamilien stark gemacht, weil sie eine Verwässerung der gigantischen Konzerngewinne des stark auf das Druckergeschäft ausgerichteten traditionsreichen Unternehmens befürchtet hatten.

Fiorina war seit Sommer 1999 HP-Chefin gewesen. Sie hatte ein Großreinemachen bei HP durchgeführt, doch gelang es ihr nicht, die PC-Sparte mit Compaq gegen den hochprofitablen Branchenführer Dell an der Spitze zu halten. Es gab tiefrote Zahlen und später nur sehr bescheidene Gewinne im PC-Bereich. William Hewlett und David Packard hatten das Unternehmen 1939 in einer Garage im kalifornischen Palo Alto gegründet. Sie hatten damit einen der Grundsteine für das heutige Silicon Valley gelegt.

Fiorina war vom Telekom-Ausrüster Lucent abgeworben worden. Zuvor hatte sie beim Telefonkonzern AT & T an der Lucent-Abspaltung mitgewirkt und als Leiterin der Service-Sparte ihr Verkaufstalent unter Beweis gestellt. Insgesamt 20 Jahre arbeitete Fiorina bei AT & T und Lucent in führenden Positionen.

Geboren wurde Fiorina in Austin (Texas). Sie studierte zunächst in Kalifornien Philosophie und mittelalterliche Geschichte und arbeitete parallel als Sekretärin bei Hewlett-Packard. Fiorina war viel auf Reisen und gab in Bologna zwei Jahre lang Englisch-Unterricht. Ein Jurastudium brach sie ab, machte aber noch zwei Abschlüsse in Wirtschaft und Naturwissenschaften.

Nach ihrem Antritt bei HP auf der Höhe des Internet-Booms hatte der Konzern in den folgenden Jahren mit dem gebremsten Wachstum in der IT-Branche zu kämpfen. Beobachter bescheinigen dem „Superweib“ („Der Spiegel“) einen eisernen Willen und großen Ehrgeiz. Ihre ungewöhnliche Rolle als Frau in einer von Männern dominierten Geschäftswelt wollte Fiorina nie thematisieren. Sie gilt als Frühaufsteherin und füttert in der Morgendämmerung gerne Vögel.

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