Energieverbrauch
IT-Branche entdeckt das Stromsparen

Die IT-Industrie gilt als schnelllebige Branche. Doch manche Veränderungen brauchen auch in diesem dynamischen Umfeld ihre Zeit. Stromsparen, zum Beispiel. Nach den monatelangen Diskussionen über den Klimawandel hat sich das Thema Energieverbrauch nun zu einem der wichtigsten Treiber der gesamten Computerindustrie entwickelt.

MÜNCHEN. „Vor fünf Jahren haben sich die Menschen noch gelangweilt von mir abgewandt, wenn ich über den Energieverbrauch von Rechnern einen Vortrag gehalten habe. Heute arbeitet die gesamte Branche daran, den Stromverbrauch zu senken“, sagt Chandrakant Patel, einer der wichtigsten Forscher und Vordenker des amerikanischen IT-Konzerns Hewlett-Packard (HP).

Im Zuge der öffentlichen Diskussion über den Klimawandel entwickelte sich das Thema Stromsparen in den vergangenen Monaten zu einem der wichtigsten Treiber der gesamten Computerindustrie. „Das ist auf jeden Fall ein Wachstumsfeld“, sagt August-Wilhelm Scheer, Präsident des deutschen Branchenverbands Bitkom.

Dass sich die Industrie inzwischen so brennend für den Energieverbrauch interessiert, hat mehrere Gründe. Einerseits ist die Branche technologisch an Grenzen gestoßen. Die hochgezüchteten Computer werden inzwischen so heiß, dass die Kühlung immer mehr Probleme bereitet. Gleichzeitig wurde den Käufern durch die steigenden Strompreise bewusst, dass sie der Betrieb der Rechner enorm viel Geld kostet.

„Wir erwarten ein deutliches Umdenken bei den Anwendern“, lautet deshalb die Einschätzung der Berater der Münchener Experton Group. Offenbar hat dieses Umdenken bereits begonnen: „Wir beschäftigen uns mit dem Thema heute viel mehr also noch vor einigen Jahren“, sagt Datev-Chef Dieter Kempf. Der Nürnberger IT-Dienstleister betreibt große Rechenzentren, über die Millionen von Arbeitnehmern in Deutschland ihre Lohn- und Gehaltsabrechnungen bekommen. Dabei kämpft die Datev vor allem mit der Abwärme der Netzwerkrechner. „Die Kühlung kostet uns wahnsinnig viel Geld“, klagt Kempf. Rechner und Drucker sowie Telefone und die dazugehörigen Netze sind Schätzungen von Gartner zufolge für rund zwei Prozent des weltweiten Ausstoßes des Treibhausgases Kohlendioxid verantwortlich. Dies belaste die Umwelt genauso stark wie der Flugverkehr, sagen die Experten.

Die IT-Anbieter haben reagiert und bieten inzwischen eine ganze Reihe von Lösungen an, um den Stromverbrauch einzudämmen. Dabei gehen die Konzerne auch ungewöhnliche Wege. So hat HP eine Einheit aufgebaut, die sich mit der Kühlung von Rechenzentren befasst. Aus gutem Grund, findet HP-Manager Paul Perez: „Für jedes Watt Rechenleistung müssen die Kunden drei Watt für die Kühlung einsetzen.“ Durch eine bessere Steuerung der Klimaanlagen mit Sensoren sowie Umbauten im Rechnerraum verspricht HP, den Stromverbrauch um bis zu 45 Prozent zu senken.

Die Hersteller bieten zudem neue Rechner-Generationen an, die weniger Strom verbrauchen als bisher. So rechnet Fujitsu Siemens Computers seinen Kunden vor, dass ein herkömmlicher Netzwerk-Computer, ein so genannter Server, im Jahr für 350 Euro Strom verbraucht. Durch moderne Bauteile lassen sich die Kosten nach Angaben der Siemens-Tochter unter 200 Euro drücken.

Seite 1:

IT-Branche entdeckt das Stromsparen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%