Energieverbrauch
Klimakiller Computer

Immer mehr Bereiche unseres Lebens verlagern sich in die IT. Tablet-PCs, Smartphones - sie alle brauchen Strom. Inzwischen erzeugen Rechenzentren mehr Emissionen als die Luftfahrt. Die Branche braucht neue Konzepte.

FrankfurtDer Lärm ist ohrenbetäubend, als sich die Tür öffnet. "Bitte nur mit Gehörschutz reingehen", ruft Peter Knapp gegen das Gedröhne an. Drinnen herrscht Ordnung. In Reih und Glied stehen riesige Schränke, vollgestopft mit Netzwerkrechnern und Speichergeräten.

Können Computer wirklich so laut sein? "Das sind die Lüfter der Rechner und die Kühlanlage", ruft mir Knapp zu. Er ist Geschäftsführer der Interxion Deutschland GmbH, eines Betreibers von Rechenzentren wie dem in Frankfurt. Jeder zweite Gang hier hat riesige Türen. Dahinter drückt die Klimaanlage gewaltige Kaltluftmassen durch die Gitter im Boden zwischen die Schrankreihen. Gierig saugen die Rechner die kalte Luft ein und pusten sie aufgeheizt an der Rückseite wieder heraus. Kalte und warme Gänge wechseln sich ab. Wer hier arbeitet, muss aufpassen: erhöhte Erkältungsgefahr.

Sechs solcher Hallen stehen in dem Frankfurter Gewerbegebiet. Wir befinden uns im größten Internetknoten der Welt. Ein großer Teil des weltweiten Datenverkehrs läuft hier durch. Unternehmen haben über das Rechenzentrum einen direkten Zugang zu dem Glasfaserkabel, das sie mit dem Internet verbindet, und sind so schneller im Netz als der normale Verbraucher.

Die Branche will kein Schmuddelimage

Erst vor wenigen Monaten wurde die sechste Hallte eröffnet. "Wir wachsen weiter," sagt Knapp, "Gelände für eine mögliche weitere Expansion haben wir bereits gekauft." Eine Expansion, die teuer bezahlt werden müsste. Der "digitale Knoten" ist ein wahrer Energiefresser. Das Rechenzentrum verschlingt jährlich viele Gigawattstunden Strom. "Das dürfte in etwa so viel sein wie die Stadt Darmstadt", sagt Knapp. Hinzu kommen 25 Megawatt an Notstromkapazitäten, geliefert durch gigantische Dieselaggregate und Batterien, die als Puffer dienen.

1,5 Prozent der weltweiten Energie verbrauchen die Rechenzentren. Forscher kamen 2008 zu dem Ergebnis, dass die IT so viel Emissionen erzeugt wie die weltweite Luftfahrtindustrie. Die kommt auf einen Anteil von zwei Prozent aller Emissionen.

Die Branche weiß um das Problem und ist bemüht, ein Schmuddelimage zu vermeiden. Fast alle Betreiber großer Rechenzentren setzen auf regenerative Energiequellen. Noch gilt die IT als saubere Industrie. Mehr noch: Die IT-Manager werden nicht müde, darauf zu verweisen, wie IT helfen kann, den Einsatz von Ressourcen zu schonen, Emissionen zu reduzieren. Das soll auch so bleiben.

Doch es ist ein schwieriger Kampf. 50 bis 80 Prozent der von der IT verbrauchten Energie stammen immer noch aus traditionellen Quellen. Schon bald wird ihr Anteil an den weltweiten Emissionen drei Prozent erreichen. Immer mehr Bereiche unseres Lebens verlagern sich in die IT. Die mobilen Geräte wie die Tablet-Computer oder Smartphones wollen mit Strom versorgt werden.

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