Entscheidungshilfe aus dem Web
Surfen statt Münze werfen

Flickr-Gründerin Caterina Fake arbeitet an einem neuen Internetangebot: Hunch soll Unentschlossenen bei Entscheidungen aller Art weiterhelfen. Der Dienst ist derzeit noch in einer Betaphase.
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BERLIN. Philosophiestudium oder Banklehre, heiraten oder einfach nur zusammenleben, diese Arbeitsstelle oder jene, Verbotene Stadt, Grand Canyon oder Eiffelturm - jeden Tag plagen wir uns mit Entscheidungen herum, die im schlimmsten Fall nicht umkehrbar sind. Mittel zur Hilfestellung gibt es einige: Wir recherchieren offline und im Internet, wägen Für und Wider in langen Liste ab, oder wir fragen Freunde oder Verwandte - oder werfen, wenn all das nicht hilft, eine Münze.

Hier kommt Hunch ins Spiel: Das Angebot will denen, die Rat suchen, helfen - Ratgeber ist die ganze Community. Denn Hunch fragt den Nutzer als Entscheidungshilfe bis zu zehn Fragen zu seinem Thema. Die Fragen wurden zuvor von anderen Hunch-Nutzern formuliert.

Wer beispielsweise darüber grübelt, welchen Rechner er kaufen soll, wird als Erstes gefragt, wie viel Geld er anlegen möchte und danach, ob er eher Wert auf ein einfach zu nutzendes System oder die neueste Technik legt. Natürlich fließt auch der Einsatzzweck in die Entscheidungsfindung ein: Dient der neue Rechner als Spielecomputer, für die Heimnutzung, etwa zum Schreiben eines Briefs und zur Nutzung der üblichen Internetanwendungen, oder ist er doch für den Profieinsatz gedacht? Müssen großen Datenmengen darauf gespeichert werden? Selbst das Design wird berücksichtigt. Nach der sechsten Fragen wartet Hunch dann mit einer Liste von passenden Computern auf.

Die Nutzer sind nun aufgefordert, die Wahl zu bewerten und selbst einige Argumente, die für oder gegen das vorgeschlagene Modell sprechen, anzuführen. So soll Hunch nach Angaben der Initiatoren mit der Zeit schlauer werden. Die Nutzerbeiträge können Korrekturen von Angaben sein, Vorschläge für neue Entscheidungsthemen oder Nachfragen.

Zudem verfügt das System über einen lernenden Algorithmus. Je besser der einen Nutzer kennt, desto besser kann Hunch die Ratschläge auf dessen Vorlieben anpassen. Hunch lernt dabei zum einen aus den bereits gestellten Fragen. Zum anderen kann sich der Nutzer durch einen Fragebogen zu seinen Vorlieben und Gewohnheiten klicken.

Erklärtes Fernziel von Hunch sei, dass Nutzer für jedes Problem eine Lösung bekommen, die nicht besser hätte sein können, wenn sie dazu eine Reihe Experten befragt oder eine Stunde im Internet recherchiert hätten, schreibt das Team auf der Website.

Derzeit hilft Hunch nach eigenen Angaben bei rund 500 verschiedenen Entscheidungen - von "Soll ich mir lieber ein Automatikfahrzeug oder einen Schaltwagen kaufen?" bis hin zu "Welche Orte auf der Welt sollte ich besuchen, bevor ich sterbe?" 5 000 Fragen kann Hunch dazu stellen und mit über 30.000 verschiedenen Antworten aufwarten.

Der Dienst befindet sich noch in einer geschlossenen Betaphase und steht nur einer begrenzten Zahl von Nutzern offen. Wer Hunch nutzen möchte, hinterlässt seine E-Mail-Adresse und hofft auf Einladung. Genaue Angaben, wann Hunch für alle offensteht, haben die Betreiber bisher macht gemacht, Fake schreibt in ihrem Blog lediglich, der offizielle Start sei in den kommenden Monaten geplant.

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