Entwarnung für Journalisten
Das Pentagon als Vorbild für die Medien

Dan Gillmor verkündete in seinem Buch „We the Media“ schon 2004 das Ende der großen Medienmonopole.

HB MÜNCHEN. Die traditionellen Medien, Zeitungshäuser, TV-Stationen und Verlage werden ihre Vormachtstellung im Markt der Nachrichten, Meinungen und der Unterhaltung verlieren, wenn sie ihr Geschäftsmodell nicht schnell und radikal ändern, davon ist Dan Gillmor überzeugt. Der Amerikaner ist ein Prediger in Sachen Bürgerjournalismus und einer der großen Vordenker.

Auf dem von Hubert Burda veranstalteten Digital Lifestyle Day in München kratzt er mit seinen Thesen erneut an den traditionellen Geschäftsmodellen der Konzerne und prognostizierte nichts weniger als den kompletten Paradigmenwechsel in der Medienindustrie. In Zukunft würden die Medien nicht mehr von oben nach unten, sondern von unten nach oben regiert, zentrale Instanzen würden überflüssig.

Mit sehr einfach zu nutzenden, jederzeit verfügbaren und vernetzten Werkzeugen könne jeder Bürger zum Journalisten, Autoren, Kameramann, also zum Medienschaffenden werden.

Dabei sei Bürgerjournalismus keineswegs eine neue Erscheinung, schon der Kennedymord wurde von einem Privatmann gefilmt. Die Menschen springen da ein, wo der Journalist nicht ist, nicht sein kann – am Ort des aktuellen Geschehens, z.B. am Ort eines Unglücks, wie bei den Anschlägen auf die Londoner U-Bahn. Dort kamen die einzigen Fotos von Passagieren, die ihre mit der Handykamera geschossenen Fotos aus dem inneren der U-Bahn über die Plattform Flickr der Allgemeinheit zugänglich machten. Selbst das Pentagon habe schon begriffen, wohin die Reise gehe und produziert eigene Podcasts.

Die technische und soziale Konstellation, die auf breiter Ebene den Bürgerjournalismus zum Durchbruch verhelfen wird, ist gekommen, glaubt Gillmor. Der Journalismus der Zukunft komme aus einer virtuellen Nachrichtenredaktion der Vielen, die eine unendlich große Anzahl von Informationsatomen über Mechanismen der Selbstkontrolle, der Vernetzung, der Rückkopplung und der Diskussion zu neuen Medienprodukten zusammenstellen.

Gillmor nennt als Beleg für das Funktionieren dieser Idee das Onlinelexikon Wikipedia und die Koreanische Nachrichtenplattform Ohmynews. Bei Ohmynews sind bereits 40 000 Mitglieder aktiv und produzieren eine tägliche Nachrichtenseite. Vom “Daily Me” zum “Daily We” ist Gillmors Motto. Und hier müßten die traditionellen Medien zuhören, sonst seien sie schnell weg vom Fenster. Denn an eines glaubt er fest: Diese Entwicklung wird voranschreiten, egal ob die Medien sich einmischten oder nicht.

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