Entwicklerkonferenz: Google vernetzt das Haus

Entwicklerkonferenz
Google vernetzt das Haus

Auf seiner Entwicklerkonferenz in San Francisco bringt Google die Augen der Technikfreaks zum Leuchten: Google präsentiert ein komplett vernetztes Haus, das sich per App-Download aufrüsten lässt.
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San FranciscoEin Tipp auf den Bildschirm des Tablet-PC und die kleine Lampe auf der Bühne des Moscone Centers in San Francisco leuchtet wie von Geisterhand geschaltet auf. Die Birne in der handelsüblichen Schraubfassung hat nicht nur ein LED-Leuchtelement, sondern auch eine Webadresse und ein winziges Empfangsteil integriert, um die Befehle des Tablets drahtlos entgegenzunehmen.

Einfach einschrauben, eine App aus dem Web laden und das intelligente Lichtsystem fürs Haus ist fertig: keine teuren Handwerker mehr, keine aufgerissenen Wände, Kabelstränge und Schaltkästen. Hugo Barra ist erkennbar gut gelaunt. "Die Bedeutung von Android Open Accessory kann eigentlich gar nicht hoch genug eingeschätzt werden", freut sich der Produktmanager Android Applications bei Google beim Gespräch und nippt an seinem Tee mit Zucker und Milch.

Es ist nicht der typisch amerikanische Überoptimismus der ihn antreibet, das ewige "we are exited" oder sogar "hyperexcited", das einem entgegenschlägt, wenn auch nur die kleinste Kleinigkeit irgendwo vorgestellt wird. Mit Android Open Accessory will der gebürtige Brasilianer für Googles Smartphone-Plattform die Tür zu einer ganz neuen Welt aufstoßen. "Das ist keine Erweiterung. Wir legen eine komplett neue Schicht über Android und verbinden die reale Welt noch stärker mit dem Internet."

Und Google liefert diesmal alles. Nicht nur das Betriebssystem Android und die passenden Schnittstellen, um Lampe, Geschirrspüler, Radiowecker, smarten Stromzähler oder Heimtrainer anzusprechen. Auch das Design für die Platine, ein Bauteil für ein paar Cents, die man einbauen muss, liefert der Web-Riese mit. Das Ganze ohne Lizenzgebühren oder sonstige Vorschriften. "Bei uns wird sich niemand irgendwas genehmigen lassen oder Lizenzen zahlen müssen", betont Barra und man ahnt, dass er damit auf Apple anspielt, die mit ihrem iTunes-Ökosystem rund um iPhone & Co genau das Gegenteil betreiben.

Die offene Politik soll kleine Software-Entwickler und Riesen wie Siemens oder GE gleichermaßen ermutigen, ihre Produkte serienmäßig Android-ready auszurüsten. Die Hardware-Ankündigung ist das große Gesprächsthema auf den Fluren der Google-Messe. Vor den Türen zum erster Workshop zu dem Thema bildet sich gegen Mittag eine endlose Warteschlange, am Ende kann nicht mal die Hälfte der Besucher in den Saal.

Der Rest zieht enttäuscht ab. Aussteller Stefan Richter ist nach der Keynote vom Morgen ziemlich beeindruckt. "Das ist für uns Entwickler eine riesige Chance", sagt er. "Erstmals ziehen im Hardwarebereich die Skript-Kids, die Programmierer, ein und konkurrieren mit Handwerkern und Großkonzernen."

Die Einstiegshürden sind so niedrig wie nie. "So wie Apple sein Geschäftsmodell betreibt, werden die auf dem Gebiet dann wohl bald nicht mehr mithalten können", fügt der Mitgründer der Hamburger Softwarefirma Freiheit.com hinzu. Barra geht noch weiter: "Ich bin sicher, wir werden schnell viele neue Unternehmen sehen, die nur solche vernetzten Geräte gegründet werden." Die intelligente Glühbirne wird noch dieses Jahr in den Handel kommen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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