Erste Klinik für Spielzeug-Automaten
Doktor Ohno heilt Roboter

In Japan gehören Roboter schon zur Familie. Doch genau wie richtige Menschen sind die kleinen Spielkameraden anfällig für Krankheiten - wenn auch elektronischer Art. Aber was tun, wenn der Hersteller schon lange nicht mehr existiert und es keine Ersatzteile gibt? Eine japanische Firma in Osaka hilft den elektronischen Wesen wieder auf die Beine.

OSAKA. Pino kann nicht mehr laufen. Also hat ihn sein Besitzer nach Osaka in die Kur geschickt. Jetzt liegt der kleine Kerl mit der spitzen Nase in der Aufnahmestation der Akazawa Robot Clinic und wartet auf seine Eingangsuntersuchung durch Doktor Kazuhiro Ohno. Der drahtige 63-Jährige ist natürlich kein echter Arzt, sondern Ingenieur und Pino ist ein ungefähr 30 cm hoher humanoider Roboter. Ohne "Dr." Ohno wäre er wohl ewig lahm geblieben, denn sein Hersteller existiert schon lange nicht mehr. Ersatzteile gibt es nicht, und wer repariert schon alte Roboter?

Nur die "Akazawa Robot Clinic". Seit sie im August ihre Tore öffnete, sind sechzehn Patienten eingeliefert worden. Die meisten haben einen Namen und kommen liebevoll verpackt an. Teilweise, sagt Robo Ohno, -Flüsterer "liegen wirklich rührende Briefe bei". Da steht dann drin, Ohno solle ihre Lieblinge "heilen", nicht reparieren. In Japan gehören Roboter schon zur Familie.

Das winzige Hospital liegt im ersten Stock einer Werkstatt in einem einfachen Gewerbegebiet - nur fünf Gehminuten vom quirligen Osaka-Hauptbahnhof entfernt - und ist ein Zufallsprodukt. Der mittelständische metallverarbeitende Betrieb Systec Akazawa fertigt seit 2003 Roboterteile. "Da haben wir gemerkt, dass es Bedarf für Reparaturen gibt", sagt Ohno. Große Hersteller wie Sony haben eigene Werkstätten für Produkte wie ihren Robohund "Aibo". Aber kleine haben nie so etwas aufbauen können oder sind längst wieder vom Markt verschwunden.

Systec Akazawa hat schon viele Wandel mitgemacht. Das Familienunternehmen wurde vor über 60 Jahren gegründet und hat von Ersatzteilen für Schiffe und Kraftwerke bis zu Flugzeugteilen schon vieles hergestellt. In der kleinen Produktionshalle mit Fräsmaschinen und Drehbänken stapeln sich immer noch Paletten mit glänzenden Metallteilen, es riecht nach Öl und Fett. Rund 90 Prozent des Umsatzes kommt aus Flugzeugaufträgen.

"Aber die Märkte ändern sich und wir glauben, dass Robotik gerade erst am Anfang steht", sagt Yohei Akazawa, Präsident des Familienunternehmens. Ein knorriger, bodenständiger Unternehmertyp, wie es ihn überall auf der Welt gibt. - Und Systec Akazawa kämpft mit den gleichen Problemen, die es überall gibt. Die Verbindungen zu den großen Herstellern werden unsicherer, selbst altgediente Lieferanten werden in Kostensenkungswellen reihenweise aussortiert. Da muss man weiter ziehen.

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