Etablierte Reisebüroketten schauen weitgehend tatenlos zu
Geschäftsreisende entdecken das Internet

Opodo, das Online-Portal neun europäischer Fluggesellschaften, steigt mit einer eigenen Website in den Geschäftsreisemarkt ein. „Dieser Markt ist ein sehr attraktives Segment. Wir überlegen, wie wir dieses Angebot weiter ausbauen“, sagte Opodo-Deutschland-Geschäftsführer Frank Riecke dem Handelsblatt. Opodo reagiert damit auf einen Trend in den USA. Dort haben die großen Online-Reisebüros wie Expedia und Travelocity bereits erfolgreiche Ableger für Firmenkunden gegründet. Auch Orbitz, das Portal mehrerer US-Airlines, ist bereits mit „Orbitz Business“ am Start.

HAMBURG. Trotz anhaltender Reiseflaute und Terrorangst wachsen die amerikanischen Online-Reisebüros derzeit kräftig. Der Erfolg scheint den Web-Agenturen Mut für neue Märkte zu machen: Zielgruppe sind dabei kleine bis mittlere Unternehmen, die keinen Reiserichtlinien unterliegen und eigenverantwortlich buchen. Das Konzept: Die Unternehmen erhalten neben einer Buchungsmöglichkeit im Internet gegen Gebühr telefonische Betreuung, die Integration firmeneigener Preise und Auswertungen über ihr Reiseverhalten. Außerdem versprechen die Online-Portale günstige Preise und umfassende Marktübersicht.

Die Idee ist nicht neu. Business-Travel-Portale gab es in den USA schon zu Anfang des Internets. Nur kaum eines hat überlebt. Das auf die Online-Reisebranche spezialisierte Beratungsunternehmen Phocuswright weiß allerdings, dass im vergangenen Jahr schon 30 Millionen Amerikaner Reisen über das Internet buchten, fünfmal so viele wie 1998. Die Hälfte davon bestellte Tickets und Hotelzimmer ausschließlich online. Und schon heute sind es die Geschäftsreisenden, die Online-Agenturen nach vorne bringen. Bei Opodo Deutschland bringen Business-Reisende bereits 20 % des Umsatzes, obwohl das Portal eigentlich auf Privatreisende setzt.

Kaum jemand bezweifelt deshalb, dass Produkte wie „Expedia Corporate Travel“ Erfolg haben werden. Geschäftsreisende aus kleinen Firmen buchen schon heute meist auf eigene Faust online. Was den neuen Online-Reisebüros zudem Mut macht: Das Geschäft mit kleinen Firmen wächst, während das Business mit Großunternehmen starkem Preisdruck unterworfen ist. Louis Arnitz, Vorstand der auf Buchungstechnik spezialisierten Ifao AG: „Die neuen Self-Service-Sites sind eine sinnvolle Erweiterung des bestehenden Angebots, zumal die Online-Rabatte einiger Anbieter, beispielsweise der Lufthansa, weitere Preisvorteile bieten.“

Und wie reagieren die etablierten deutschen Reisebüroketten auf die neue Konkurrenz? Sie tun das, was sie schon seit Jahren tun: Zuschauen. Alle großen Reisemittler von Carlson Wagonlit über die Tui-Tochter TQ3 bis zu DER Business Travel ermöglichen ihrer Kundschaft zwar ebenfalls Online-Buchungen, doch kaum einer betreibt ein echtes E-Commerce-Portal. Unternehmensberater Jörg Martin: „Die Buchungs-Websites der hiesigen Reisebüroketten sind Feigenblätter, die deutschen Agenturen konzentrieren sich nach wie vor auf das Großkundengeschäft.“ Branchenexperten sprechen den traditionellen Reisebüroketten Kapitalkraft und Know-how ab, um in den Markt mit Privatkunden einzusteigen. Ein Branchenkenner hält die großen deutschen Reisebüroketten zudem für „schwach im Marketing“. Deshalb seien sie auch so „austauschbar und ohne Profil“.

Immerhin versprechen die Etablierten Wachsamkeit: „Das ist eine interessante Bewegung, die wir genau verfolgen werden“, sagt Gunnar Joachimsohn, IT-Manager bei TQ3. Man werde reagieren, sollte ein neuer Marktteilnehmer in Deutschland auftreten. Doch im Grunde glaubt Joachimsohn weiter fest an das traditionelle Reisebüro. Gerade in Zeiten von Billig-Airlines, neuen Preissystemen und größerem Tarif-Wirrwarr brauche der Kunde Beratung. Der TQ3-Manager: „Der individuelle Geschäftsreisende fühlt sich in unseren Büros sehr gut aufgehoben.“

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