Europas schnellster Rechner steht in Spanien
IBM erobert Supercomputer-Thron zurück

NEC hat mit seinem "Earth Simulator" zwei Jahre lang die Nase vor den amerikanischen Computerherstellern gehabt. Nun führt in der Weltrangliste der schnellsten Supercomputer wieder ein Rechner aus den USA. Der US-Computerkonzern IBM hat den japanischen Konkurrenten verdrängt.

HB PITTSBURGH. Die am Montag (Ortszeit) in Pittsburgh (US-Bundesstaat Pennsylvania) veröffentlichte Liste der „Top 500“ wird nun angeführt von IBMs „BlueGene/L“. Auf Rang vier, gleich hinter NECs „Earth Simulator“ landet Europas schnellster Supercomputer „MareNostrum“ aus Spanien, den IBM erst vergangene Woche vorgestellte hatte.

„BlueGene/L“ erreicht derzeit eine Leistung von 70,72 Teraflops (Billionen Rechenoperationen pro Sekunde) und soll künftig im Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien zur Erforschung von Proteinen eingesetzt werden. Er ist fast 12 000 Mal schneller als ein moderner PC. Unmittelbarer Verfolger ist „Columbia“, ein nach dem im Jahr 2003 abgestürzten Space Shuttle benannter Rechner von Silicon Graphics (SGI), der mit 51,87 Teraflops in den Diensten der US- Weltraumbehörde NASA steht.

Der „Earth Simulator“ von NEC belegt mit seinen 35,86 Teraflops immerhin noch den dritten Platz. Er hatte vor etwas mehr als zwei Jahren für Aufsehen gesorgt, als er die langjährige Vorherrschaft von Superrechnern US-amerikanischer Herkunft durchbrach. Der „Earth Simulator“ wird in Yokohama im Institut für Erdwissenschaften zur Berechnung von globalen Klimaveränderungen eingesetzt.

Europas schnellsten Supercomputer hatte IBM gemeinsam mit dem spanischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft erst vergangenen Freitag offiziell in Madrid vorgestellt. Die Anlage „MareNostrum“ mit einer Leistung von derzeit 20,53 Teraflops soll an der polytechnischen Universität in Barcelona bei der Erforschung von Genen und Proteinen, Klimaveränderungen und neuen Medikamenten helfen.

Auch ein populärer Exot Marke „Eigenbau“ schaffte es erneut in die Top Ten der zwei Mal im Jahr herausgegebenen Liste. Die als „Big Mac“ oder „SuperMac“ bekannte Anlage der Virginia State University in Blacksbury aus 1100 handelsüblichen Rechnern des Computerherstellers Apple wird diesmal mit einer Leistung von 12,25 Teraflops auf Platz sieben geführt. Vor einem Jahr hatte sich die Hochschule wegen ihres geringen Etats für diese Eigenbau-Maßnahme entschieden und war prompt auf dem dritten Platz gelandet. Nach einer Aufrüstung spielt die damals für einen „Schnäppchenpreis“ von rund fünf Mill. Dollar (knapp vier Mill. €) erworbene Anlage weiter eine führende Rolle. Im Jahr 2003 wurden nach Schätzungen der Weltbank rund 7,5 Mrd. $ (5,8 Mrd. €) für Supercomputer-Anlagen in den führenden Industrienationen ausgegeben.

Bei der Entwicklung schnellster Rechner geht es nicht nur um einen Rang in der Top-500-Liste. Ohne diese Supercomputer sind Berechnung zum Klimawandel, zur Faltung von Proteinen oder zur Erdbebenforschung wegen der großen Datenmengen kaum möglich. Je mehr Daten ein Computer berechnen kann, umso genauer werden selbstverständlich die Vorhersagen. Die Ergebnisse können dann auch große wirtschaftliche Vorteile bringen.

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