Exklusives Interview mit Intel-Chefentwickler Justin Rattner
PC der Zukunft wird Grafikwunder und Leistungsathlet auf Energie-Diät

Justin Rattner, Vordenker und Chefentwickler von Intel sprach exklusiv mit Handelsblatt.com über die neue PC-Generation, künftige Schlüsseltechnologien, schlechte Energiebilanzen, Realismus am Bildschirm und HAL.

HB FRANKFURT. Die Jahre der Langeweile sind vorbei: Der durch die Absatzkrise schon totgesagte PC ist wieder da. Die Hersteller Intel und AMD haben neue Prozessorengenerationen angekündigt, die mit innovativer Doppelkern-Technik und 64-Bit-Datenverarbeitung den staunenden Nutzer mit bislang ungeahnter Leistung und Geschwindigkeit versorgen sollen. Auch die kommenden Spielekonsolen sind längst dem Kinderzimmer entwachsen: Ausgestattet mit hochleistungsfähiger Grafik, eignen sie sich für realistisch anmutende 3D-Schlachten ebenso wie für anspruchsvollen Videogenuss. "Unsere Wahrnehmung von visuellen Elementen am Bildschirm wird sich dramatisch ändern", prophezeit auch Justin Rattner, seit Jahren Chefentwickler und Vordenker des kalifornischen Chip-Herstellers Intel.

Sein Wort hat Gewicht: Der Ingenieur und Informatiker gilt seit 20 Jahren als das Gehirn hinter allen wesentlichen Prozessor-Entwicklungen des Konzerns – und damit der gesamten PC-Technologie. Rattner, seit 1973 bei Intel, steht der Entwicklungsarbeit von Intel vor. Er war verantwortlich für alle bisherigen Generationen von Intels PC-Prozessoren seit den 80er-Jahren bis zur heutigen Pentium-Familie – und arbeitet längst an ganz neuen Technologien. Damit gilt er bei Kennern des Konzerns als aussichtsreichster Kandidat bei der offenbar geplanten Neubesetzung des CTO-Postens (Chief Technology Officer).

Überraschend betrachtet er das nun beginnende Leistungsfeuerwerk nachdenklich: "Die Wichtigkeit der Performance hat abgenommen", beschreibt Rattner den Trend – und bekennt: "Die Prozessor-Entwicklung war lange Zeit sehr eingleisig". Für ihn ist der Weg klar: "Die Herausforderung für uns Prozessorentwickler ist, mehr Geschwindigkeit aus dem Prozessor zu holen, ohne den Stromverbrauch zu erhöhen" sagt er, "denn wir können den Leistungsbedarf eines Prozessors nicht immer weiter anheben". Er räumt selbstkritisch ein, es gebe noch "sehr viel Spielraum, den Verbrauch zu senken". Kein Wunder: Intels neue Prozessorgeneration, der Pentium D mit zwei Kernen, benötigt für seine Rechenpower allein rund 130 Watt.

Langfristig sieht Rattner dennoch weiteren Leistungsbedarf durch ganz neue Anwendungen: So könnten physikbasierte, mathematische Modelle realistische grafische Darstellungen möglich machen – in seinen kalifornischen Labors werde beispielsweise in der Zusammenarbeit mit der Universität des Saarlandes längst daran gearbeitet: "Unsere Wahrnehmung von visuellen Elementen am Bildschirm wird sich dramatisch ändern", prophezeit er. Mit Hilfe neuer Darstellungsformen könnten chemische Reaktionen, visuelle Szenen, das Wachstum von Tumoren oder die Entwicklung bestimmter Investments im jeweiligen, dynamischen Kontext genau berechnet und abgebildet werden. Er sieht deshalb "das Ende der heutigen Software-Entwicklung unter starren Rahmenbedingungen" kommen. Rattner prophezeit: "Wir glauben, dass modellbasiertes Computing die nächste große Welle von Anwendungen möglich machen wird."

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