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Experte: Journalisten vertrauen zu oft auf Internet-Recherche

Der Leipziger Journalistikprofessor Marcel Machill sieht im wachsenden Vertrauen vieler Journalisten auf das Internet die Recherchequalität gefährdet. „Eine gute Recherche kann zwar bei einer Suchmaschine wie Google anfangen, doch darf sie dort nicht enden.

dpa LEIPZIG. Der Leipziger Journalistikprofessor Marcel Machill sieht im wachsenden Vertrauen vieler Journalisten auf das Internet die Recherchequalität gefährdet. „Eine gute Recherche kann zwar bei einer Suchmaschine wie Google anfangen, doch darf sie dort nicht enden. Wer sich auf nur eine Quelle verlässt, ist schnell verlassen“.

Insgesamt habe sich Online-Journalismus seit dem Beginn 1994 zu einer gleichberechtigten Säule neben Printmedien, Rundfunk und Nachrichtenagenturen entwickelt, sagte Machill im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

„Die ersten zehn Jahre des neuen Journalismuszweiges waren eine Erfolgsgeschichte mit Höhen und Tiefen“, sagte der 36-Jährige. Zwar stellten mittlerweile immer mehr Zeitungen und Rundfunkanstalten eine Auswahl ihrer Inhalte ins Internet, doch die technischen Möglichkeiten würden bei weitem nicht ausgeschöpft. „Wer mittelfristig erfolgreich sein will, muss auch in eine eigene Redaktion investieren.“ Es reiche nicht, Zeitungsartikel eins zu eins online zu stellen.

Dass Online-Journalismus die von der Medienkrise angeschlagenen Zeitungshäuser weiter bedrohen könnte, glaubt Machill nicht. „Auch beim Aufkommen des Fernsehens hatte man geglaubt, das Radio werde bald verschwinden. Doch noch nie hat ein neues Medium ein altes verdrängt.“ Vielmehr vertraue das Publikum auch bei der Nachrichtenauswahl im Internet auf altbewährte Marken. Bei bedeutenden Themen wie den Terrorattentaten vom 11. September 2001, dem Irakkrieg oder den gerade zurückliegenden Präsidentschaftswahlen in den USA zeige sich die Stärke des Journalismus im weltweiten Netz. „Neue Beiträge können schnell und kostengünstig publiziert werden. An fast jedem Ort der Welt sind sie durch wenige Mausklicks abrufbar.“

Außerdem könnten die Online-Redaktionen auf das Interesse der Nutzer reagieren, da die Zugriffe der Nutzer Machill zufolge ausgewertet würden. „Das ist eine neue, nie da gewesene Form der Interaktivität. Bislang war eine zeitlich verzögerte Rückkopplung nur über Leserbriefe möglich.“

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