Facebook
Datenschützer kritisiert Gesichtserkennung

Das größte soziale Netzwerk Facebook bekommt eine Funktion, die prompt eine neue Kontroverse auslöst: Eine neue Software soll Gesichter von Menschen erkennen und zuordnen können. Nutzer soll das dazu ermuntern, noch mehr Personen auf Bilder zu verlinken. Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sieht darin eine beunruhigende Entwicklung.
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HB NEW YORK/BERLIN. Das Online-Netzwerk Facebook führt eine automatische Gesichtserkennung bei Fotos ein. Damit solle es einfacher werden, Bekannte in Bildern zu finden, erläuterte ein Facebook-Entwickler in einem Blog-Eintrag. Die Funktion soll schrittweise zunächst in den USA freigeschaltet werden. Sie könne über die Datenschutz-Einstellungen ausgeschaltet werden, betont Facebook.

Hamburgs oberster Datenschütz, Johannes Caspar, spricht dennoch von einer beunruhigenden Entwicklung. "Es zeigt sich, dass das, was technisch möglich ist, letztlich auch umgesetzt wird", sagte er im Gespräch mit Handelsblatt Online. "Es darf nicht sein, dass Nutzer des Dienstes befürchten müssen, künftig auf allen, gerade von Dritten Personen eingestellten Bildern aufgerufen zu werden." Ohne die Einwilligung der Betroffenen dürfe dies nicht geschehen. Facebook sieht den Plänen zufolge bisher nur ein sogenanntes Opt-Out-Verfahren vor, bei dem die Nutzer die Funktion aktiv ausschalten müssen und eine implizite Einwilligung vorausgesetzt wird.

"Das neue Feature wird ab der kommenden Woche zunächst für einige Nutzer in den USA zur Verfügung stehen und wird dann nach und nach allen Nutzern zugänglich gemacht", sagte eine Facebook-Sprecherin Handelsblatt Online. Wer auf Fotos lieber nicht automatisch erkannt werden wolle, könne den Modus bei den Einstellungen zur Privatsphäre ausschalten, heißt es auf dem Unternehmens-Blog. Demnach setzen Facebook-Nutzer mehr als 100 Millionen Foto-Tags pro Tag. Ob und wann die Funktion für deutsche Nutzer verfügbar sein wird, könne man nicht sagen, hieß es bei Facebook. "Die Einführung der Gesichtserkennung in einem sozialen Netzwerk mit Millionen von Nutzern allein in Deutschland werden wir genau beobachten", kündigte Datenschützer Caspar an.

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  • Also ich finde das schon bescheiden . ich habe kein Facebookaccount , aber ich kenne viele die einen haben , wenn die mich taggen wie kann ich das verhindern ? Muss ich mich bei Facebook anmelden nur um mich per opt-out verfahren zu schützen ?

  • Es fällt mir schwer hier diese "beunruhigende Entwicklung" festzustellen, von der Herr Caspar spricht. Das Einzige, was sich zum aktuellen Status ändert ist, dass man nicht mehr den Namen aus der Liste suchen muss, sondern ihn gleich vorgeschlagen bekommt.
    Weder können wildfremde Leute mich in ihren bildern markieren noch wird Facebook dies automatisch für mich tun.

    ich würde es begrüssen, wenn Deutschlands sogenannte Datenschutzbeauftragte zukünftig etwas mehr auf die Substanz ihrer Kommentare achten würden, anstatt in jeder technischen Neuerung gleich die Ausgeburt des bösen zu sehen.

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