IT + Internet
Falk-Prozess kommt nicht voran

Die Stimmung im Saal 300 ist äußerst gereizt. Seit Anfang Dezember muss sich der frühere Börsenstar Alexander Falk vor dem Hamburger Landgericht verantworten; schwerer Betrug, Kursmanipulation und Steuerhinterziehung werden ihm zur Last gelegt.

dpa HAMBURG. Die Stimmung im Saal 300 ist äußerst gereizt. Seit Anfang Dezember muss sich der frühere Börsenstar Alexander Falk vor dem Hamburger Landgericht verantworten; schwerer Betrug, Kursmanipulation und Steuerhinterziehung werden ihm zur Last gelegt.

Mehr als ein Dutzend Prozesstage haben Richter, Staatsanwälte und Verteidiger bislang im Plenarsaal miteinander gerungen. Doch richtig voran kommen sie auch am Donnerstag, dem 14. Prozesstag, nicht. „Eine giftige Prozessatmosphäre“ hat der Hauptangeklagte schon an einem der frühen Verhandlungstage beklagt und beteuert, sich „auf die Sache beschränken“ zu wollen. Aber gerade mit der sachlichen Argumentation tut sich Falk mitunter schwer, aber auch die anderen Beteiligten im bislang größten Wirtschaftsverfahren Hamburgs.

Dabei ist die Aufgabe gewaltig. 700 Ordner mit Akten sind zu begutachten, 283 Seiten umfasst die Anklageschrift. Falk, der weiter in Untersuchungshaft sitzt, soll Ende 2000 den Wert seiner Internet- Firma Ision durch Scheinumsätze in die Höhe getrieben und somit bei deren Verkauf an die britische Energis einen überhöhten Preis kassiert haben.

Bis Ende Juni sind 38 Verhandlungstage über das Schicksal des 35- jährigen und fünf weiterer Angeklagter angesetzt. Doch Prozessbeobachter schätzen, dass das komplexe Verfahren sich auch über zwei Jahre hinziehen könnte. Falk bestreitet hartnäckig jede Schuld. Mit dem eigenen Laptop auf der Anklagebank ausgestattet, vergleicht er in Managermanier die Ausführungen seines Verteidigers mit Inhalten auf seinem mobilen Computer.

„Sie haben jetzt ein Dokument verlesen, und schon sind wir wieder in einer Auseinandersetzung darüber, die zwei Stunden dauert“, wirft Falk-Verteidiger Gerhard Strate dem Vorsitzenden Richter Nikolaus Berger vor, nachdem dieser wieder aus einem der zahlreichen Unternehmensverträge zitiert. In der Tat ist der Prozess geprägt von Streit um Formalitäten. Anklage und Verteidigung werfen sich Schlampereien und Verfahrensfehler vor. Falks Rechtsanwälte decken die Richter zudem mit immer neuen Anträgen ein. Allein sechs Befangenheitsanträge waren schon dabei. „Ich habe dafür einen Sonderband anlegen lassen“, kommentiert Richter Berger.

Der in Wirtschaftsstrafsachen erfahrene Richter versucht zu vermitteln, wenn Verteidiger und Staatsanwaltschaft wieder einmal heftigst aneinander geraten - was sie seit dem ersten Prozesstag tun. Da hatte Falk-Anwalt Strate, der mit polemischen Bemerkungen auch seither nicht spart, für das Vorgehen der Hamburger Justiz einen kaum verhohlenen Nazi-Vergleich herangezogen. „Zuletzt wurde Angeklagten das rechtliche Gehör von der Militärgerichtsbarkeit Ende des Zweiten Weltkrieges verweigert“, meinte der Anwalt. Der empörte Staatsanwalt Heyner Heyen fühlte sich „persönlich beleidigt“. Berger mahnte, „künftig auf angemessene Weise miteinander umzugehen“.

Auch der Richter sieht sich ständigen Angriffen ausgesetzt. Als er etwa mit einem fast dreistündigen Vortrag begründet, warum Alexander Falk auch nach mehr als 20 Monaten weiter in Untersuchungshaft bleiben müsse, spricht die Verteidigung von „gezielter Täuschung“.

Damit der Prozess in der Sache vorankommt, hofft Richter Berger auf Aussagen der Angeklagten zur Aufklärung des Falles. Es könnten dann schwer wiegende Gründe für eine Strafmilderung geben, meinte er am Donnerstag. Der frühere Finanzchef der Ision hat sich bereits geäußert. Zwei weitere Angeklagte aber zögern weiter. „Wir stecken schon seit Ende Dezember in der Phase, dass Einlassungen angekündigt sind“, stellt Berger ernüchtert fest.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%