Familie
Kulturrat warnt vor Übereifer bei Verbot von PC-Spielen

Der Deutsche Kulturrat hat vor Übereifer beim Verbot von Computerspielen gewarnt. Der Spitzenverband der Bundeskulturverbände verwies am Mittwoch in Berlin auf die Kunstfreiheit, die auch für Computerspiele gelte.

dpa BERLIN. Der Deutsche Kulturrat hat vor Übereifer beim Verbot von Computerspielen gewarnt. Der Spitzenverband der Bundeskulturverbände verwies am Mittwoch in Berlin auf die Kunstfreiheit, die auch für Computerspiele gelte.

Dagegen wird in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ein generelles Verbot für Herstellung und Verkauf von so genannten Killerspielen geprüft. Dies geht über die Pläne von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hinaus, die lediglich die Schwelle für ein Verbot gewalttätiger Computerspiele für Kinder und Jugendliche senken will. Der Bundesrat befasst sich am Freitag auf Antrag Bayerns mit einem generellen Verbot von Killerspielen.

Nach Untersuchungen des Hannoveraner Kriminologen Christian Pfeiffer spielt von den zehnjährigen Jungen jeder zweite zumindest gelegentlich Spiele, die erst ab 16 Jahren freigegeben sind. Von den 14- oder 15-jährigen Jungen sind es 82 Prozent, die gelegentlich Spiele spielen, die erst ab 18 erlaubt sind, berichtete Pfeiffer in Radioeins vom RBB. Nach seinen Erkenntnissen beruhen massive Leistungskrisen der Jungen in der Schule darauf, dass sie zu viel Zeit mit Gewaltvideos verbringen.

Nach Angaben des Familienexperten der CDU/CSU-Fraktion, Johannes Singhammer, schließt seine Fraktion auch ein Verbot von realen Gewaltspielen nicht aus, wenn dabei Mitspieler in ihrer Menschenwürde herabgesetzt werden. Dagegen warnte der Kulturrat davor, über das Ziel hinauszuschießen. „Erwachsene müssen das Recht haben, sich im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen auch Geschmacklosigkeiten oder Schund anzusehen beziehungsweise entsprechende Spiele zu spielen.“ Besser sei es, die Selbstkontrolle bei der Unterhaltungssoftware zu stärken.

Der kulturpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, sieht bei dem Thema auch das Fernsehen in der Verantwortung. „Gewaltdarstellungen auch im Vorabendprogramm sind leider keine Seltenheit“, sagte er.

Von der Leyen will noch vor der Sommerpause eine Änderung des Jugendschutzgesetzes im Kabinett vorlegen. Damit sollen nicht nur Gewalt verherrlichende, sondern auch Gewalt beherrschte Spiele automatisch für Jugendliche verboten sein. Bisher sind nur 3,9 Prozent aller Spiele allein für Erwachsene zugelassen. Für die Linksfraktion ist der Vorstoß Bayerns für ein Verbot von Killerspielen „mit dem Rasenmäher“ weltfremd. Er zeuge von fehlender Medienkompetenz.

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