Familienbereich als Oase der Ruhe
Auf der „Games Convention“ gibt es auch stille Örtchen

Als Kontrastprogramm zur Materialschlacht der Branchenriesen im Rahmen der „GC Games Convention“ auf dem Gelände der Leipziger Messe gibt es in Halle 2 einen Familienbereich als Oase der Ruhe. Statt lauter Beats und greller Lichteffekte gibt es hier vor allem Raum für Diskussion.

HB LEIPZIG. Michael Körner ist ein bisschen blass. Mit einer Hand wischt sich der Sachse über die Stirn. In der anderen hat er eine Tüte mit Werbematerial, das sein zwölfjähriger Sohn Philipp innerhalb von nur zwei Stunden gesammelt hat. „Die Messe ist ganz schön laut und sehr anstrengend“, sagt der Vater. Jetzt aber kann er ein wenig verschnaufen: Vater und Sohn haben die Oase der Ruhe auf Europas größter Messe für Computer- und Videospiele „GC Games Convention“ entdeckt, den Familienbereich „GC family“. Die „GC family“ soll nach Angaben der Messe das Forum für Medienkompetenz in der Familie, für Lern- und Schulsoftware sowie kindgerechte Medien sein.

„GC family stellt die gemeinsame Medienerfahrung in den Mittelpunkt“, sagt die GC-Projektleiterin der Leipziger Messe, Angela Schierholz. „Eltern und Pädagogen stehen den Neuen Medien meist noch hilflos und skeptisch gegenüber, dabei ist ihr Einsatz in vielen Bereichen äußerst sinnvoll“, ergänzt Dirk Höschen, Medienreferent beim Deutschen Kinderhilfswerk, das die ideelle Trägerschaft der „GC family“ übernommen hat. Ein Spielverderber auf der Spielemesse will das Kinderhilfswerk auf keinen Fall sein. „Es geht uns darum, die Chancen, die Neue Medien bieten, transparent zu machen“, sagt Höschen. Wichtig sei, dass Kinder beim Medienkonsum nicht allein gelassen werden.

Michael Körner scheint derweil wieder ganz entspannt, während sein Sohn ein neues Computerspiel ausprobiert. Noch hält er einen gewissen Sicherheitsabstand zu den Bildschirmen. „Mein Sohn ist ein begeisterter Computerspiele, deswegen bin ich mit ihm hierher gekommen. Ich selbst spiele aber nicht“, sagt er. Patrick Vollring dagegen hat mit seinem achtjährigen Sohn David vor einer Konsole Platz genommen. Im Bereich der „GC family“ fühlt er sich auf der Messe am besten aufgehoben. „Hier weiß ich, dass die Spiele pädagogisch unbedenklich sind.“

Der Familienbereich bietet insbesondere für Eltern und Lehrer Beratung für einen sinnvollen Umgang mit Computern, Spielekonsolen und dem Internet. Unternehmen wie Buena Vista Games/Disney Interactive, Vivendi Universal Interactive und der Tivola Verlag nutzen dieses Umfeld für die Präsentation ihrer neuen Spiele. „Hier kommen viele Kinder vorbei, wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz“, sagt der Eventmanager von Tivola, Denis Müller.

Etwas mehr Resonanz von Lehrern hätte sich das Kinderhilfswerk gewünscht. „Die Berührungsängste sind immer noch viel zu groß“, stellt Dirk Höschen fest. Dabei können sich Pädagogen aus Sachsen in diesem Jahr erstmals den Messebesuch als Fortbildung anrechnen lassen. Der schwache Zuspruch von Lehrerseite zeige erneut, dass Deutschland bei der Anwendung von Neuen Medien im Alltag eine Entwicklungsland sei. Deshalb gelte es, die „GC family“ in den kommenden Jahren noch weiter auszubauen.

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