Fernsehen im Miniformat
Handy-TV spielt noch im Abseits

Massen gaben sich der kollektiven Begeisterung vor den Videowänden der Fan-Meilen hin. Public Viewing, das gemeinschaftliche Erleben und Mitfiebern, das war der Trend dieser WM. Dagegen blieb die Zahl derer, die sich die Spiele auf den wenigen Quadratzentimetern eines Handydisplays ansahen, bescheiden.

DÜSSELDORF. Die Hoffnung der Mobilfunkbranche, die Fußball-Weltmeisterschaft werde den Durchbruch für das Handy-TV bringen, hat sich nicht erfüllt. Im Gerangel um technische Standard und die Vergabe der Sendefrequenzen herrscht noch keine Klarheit. Zudem sucht die Branche eine Antwort auf die Frage, wie mit Handy-TV zukünftig Geld verdient werden kann.

Es war fast schon ein Wunder, dass sie überhaupt stattfand, die WM auf dem Handy. Wer im Besitz eines für das Breitband-Netz UMTS ausgelegten Handys war, dem lieferte T-Mobile 20 Partien live und in voller Länge. 550 000 TV-Minuten sendete T-Mobile im Juni, fast eine Steigerung um das Dreifache im Vergleich zum Vormonat. Allerdings sorgten schwacher Empfang, ruckelnde Bilder und irritierende Verzögerungen zwischen Bild und Ton bei UMTS-Guckern eher für Verdruss denn für Gänsehaut-Gefühl. Die Kapazität von UMTS, darin sind sich IT-Experten einig, reicht für schnelle Fernsehbilder nicht aus.

Daher arbeiten die Mobilfunkunternehmen an der Weiterentwicklung des Handy-TV. In Zukunft sollen die Fernsehbilder nicht per UMTS als Datenpakete durch die Handynetze, sondern wie beim digitalen Antennenfernsehen (DVB-T) übertragen werden. Den Anfang machte Mobilfunk-Provider Debitel, der seinen Kunden zur WM Fernsehbilder über den so genannten DMB-Standard (Digital Multimedia Broadcasting) zeigte. Obschon DMB, das auf der Technik für digitales Radio basiert, besser für mobiles Fernsehen geeignet ist als UMTS, war das Fußballvergnügen auch hier eingeschränkt. DMB-Empfang gab es einzig in den WM-Städten Berlin, Köln, München, Frankfurt, Stuttgart und Nürnberg. Selbst dort blieb das Programm auf vier Kanäle beschränkt (mehr kann DMB derzeit nicht leisten), darunter war das ZDF als einziger WM-Sender.

Ein Gerät, mit dem sich DMB empfangen ließ - am besten unter freiem und wolkenlosem Himmel - gibt es erst seit dem 1. Juni. Es kostet 200 Euro plus Debitel-Vertrag. Trotz aller Widrigkeiten ist man bei Debitel zufrieden mit DMB-TV, schließlich kann der Provider als Partner des unabhängigen DMB-Betreibers "Mobiles Fernsehen Deutschland" auch ohne eigenes Mobilfunknetz in den TV-Markt einsteigen.

Die Einführung von DMB in Hamburg, Hannover, Leipzig und Saarbrücken ist für den Herbst geplant. "Bis 2008 werden rund 75 Prozent der Bevölkerung mit mobilem Fernsehen versorgt sein", sagt Debitel-Sprecher Johannes Ippach. Mit Angaben zur Anzahl der Nutzer von Handy-TV hält sich Debitel bisher zurück, angepeilt sind 100 000 Handy-TV-Kunden im ersten Jahr.

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