Fernsehen
Videotext: Der diskrete Charme der 80er

In Zeiten gestylter Hochglanz-Webseiten, PHP und JavaScript mag man es kaum glauben: Videotext präsentiert jeden Tag mit Klötzchengrafik und 80er-Charme die Nachrichten, Sportergebnisse, Wetter und Programmvorschau für ein Millionenpublikum. Doch so altertümlich das Medium auch anmutet, seine Popularität dürfte auch in Zukunft ungebrochen bleiben.

DÜSSELDORF. Der Gedanke hinter Videotext – oder Teletext, wie es außerhalb von Deutschland heißt – ist ausgesprochen clever: Von den 625 Zeilen, die ein Fernsehbild theoretisch besitzt, werden nur 576 für die Übertragung des Bildes genutzt. Die restlichen Zeilen, die so genannte Abtastungslücke, bietet Raum, um zusätzliche Daten zu verschicken. Britische Ingenieure der BBC kamen auf die Idee, diese Lücke zu nutzen. Und so legte man 1974 bei der BBC in London den „UK Teletext Standard“ fest, der erstmals die Übertragung von Text mit dem Fernsehsignal ermöglichte.

Ursprünglich sollten lediglich Untertitel für Hörgeschädigte ausgestrahlt werden, die erste Version von „Ceefax“ („See Facts“) erlaubte dementsprechend nur schwarz-weiße Schrift. Ab 1976 wurden die Texte dann farbig. Während dieser Zeit in anderen Ländern entwickelte Systeme, wie etwa „Antiope“ in Frankreich, konnten sich nicht durchsetzen, so dass der Ceefax-Standard bis heute weltweit den Ton angibt. Er erlaubt 25 Zeilen Text mit je 40 Zeichen auf einer Seite, davon sind 23 Zeilen für Fließtext vorgesehen, und zwei Zeilen sind für Kopf- und Fußbereich der Seite reserviert. Wer auf einer Teletext-Seite schreibt, kann aus einem Zeichensatz von 96 Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen auswählen.

1977 zur Internationalen Funkausstellung stellten ARD und ZDF den neuen Dienst erstmals in Deutschland vor – sehr zum Unmut der Printmedien, die darin den Untergang ihres Mediums sahen. 1980 startete der gemeinsame Testbetrieb unter dem Namen Videotext. Der Name Teletext wurde in Deutschland vermieden, weil es möglicherweise zu einer Verwechslung mit dem Fernmeldedienst „Teletex“ gekommen wäre. Der „Testbetrieb“ des neuen Mediums endete erst zehn Jahre später, 1990, als der offizielle gemeinsame Videotext mit rund 400 Seiten in den Regelbetrieb ging. Und erst seit dem Jahr 2000 betreiben die beiden großen Öffentlich-Rechtlichen eigene Videotext-Dienste.

Unglaublich langsame Entwicklung

Dass es so lange dauerte, bis sich Videotext hierzulande durchsetzte, lag schlicht in der geringen Verbreitung von geeigneten Empfängern begründet. Fernsehgeräte waren nur vereinzelt mit Videotext-Decodern ausgestattet, und die Etablierung als Standard-Ausstattungsmerkmal ging mit für heutige Maßstäbe unglaublicher Langsamkeit vonstatten. Zu Beginn wurden sogar externe Empfänger mit einer eigenen bunten Tastatur verkauft. Erst Ende der achtziger Jahre waren nahezu alle neuen Fernsehgeräte mit einem Videotextdecoder ausgestattet. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, gab es eine Weile „Videotext für alle“: In den damals noch üblichen Sendepausen in der Mittagszeit oder der Nacht wurden Videotextseiten als für jeden empfangbares Fernsehbild ausgestrahlt.

Die Nutzung von Videotext ist für heutige Gewohnheiten archaisch: Wird eine Seitennummer eingetippt, muss zuerst abgewartet werden, bis die Seite das nächste Mal ausgestrahlt wird, bevor sie auf dem Bildschirm erscheint. Pro Fernsehbild kann nämlich nur eine Seite übertragen werden, und so gehen maximal 50 Seiten pro Sekunde über den Sender. Bei 800 möglichen Seiten können also bis zu 16 Sekunden vergehen. Moderne Geräte besitzen zwar einen Arbeitsspeicher und verkürzen den Vorgang durch die Vorausspeicherung einer Anzahl von Seiten. Befindet sich die gewünschte Seite nicht im Speicher, dauert es trotzdem lange, bis sie angezeigt wird.

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