Fernsehhersteller
Sharp lässt Loewe an der langen Leine

Obwohl der Fernsehhersteller Loewe wieder Gewinne schreibt, denkt der größte Anteilseigner Sharp nicht daran, seine Beteiligung von knapp 29 Prozent zu erhöhen.

TOKYO. "Wir wollen den Anteil unter 30 Prozent halten", sagte Auslandschef Toshishige Hamano dem Handelsblatt. Dann müsse Sharp auch keinen Vertreter in den Aufsichtsrat entsenden. Hamano schränkte aber gleichzeitig ein: "Wenn wir eine Anfrage von Loewe bekommen, ist das etwas anderes. Dann müssten wir darüber nachdenken."

Firmenchef Hamano verspricht sich von Loewe vor allem schnellere Informationen über europäische Standards für die Entwicklung neuer Geräte. Nach gegenseitiger Belieferung mit Fernsehgeräten in den vergangenen Jahren kommen im nächsten Geschäftsjahr erstmals drei gemeinsam entwickelte Fernsehmodelle unter den verschiedenen Marken auf den Markt. Um den europäischen Markt besser bedienen zu können, will Sharp künftig auch LCD-Bildschirmplatten in Europa produzieren. Derzeit werden nur fertige Platten in einem Werk in Barcelona zusammengebaut. Analyst Tatsuya Mizuno von der Ratingagentur Fitch hält die Zurückhaltung der Japaner für richtig. Loewe bringe Sharp auf dem europäischen Markt bei der Distribution Vorteile. Dafür reiche der jetzige Anteil.

Der weltweite Absatz von LCD-Fernsehern soll im kommenden Jahr von 20 Millionen im Geschäftsjahr 2005/06 auf 36 Millionen steigen, sagte Sharp-Europachef Hans Kleis gestern in Hannover. Als Ursache für den Nachfrageschub führte Deutschland-Geschäftsführer Frank Bolten die Fußballweltmeisterschaft an. Auf dem deutschen Markt seien zwischen Februar 2005 und Januar 2006 fast drei Mal so viele Geräte verkauft worden wie im Vorjahreszeitraum.

Sharp ist mit 18,7 Mrd. Euro vom Umsatz her fast 60 Mal so groß wie der fränkische Fernsehbauer Loewe. Im vergangenen Jahr hatten die Franken nach Verlustjahren den Sprung zurück in die operative Gewinnzone geschafft. Loewe habe seine Produktpalette zu langsam auf LCD-Fernseher umgestellt, sagte Hamano. Doch das Management habe mittlerweile gegengesteuert und wisse am besten, wie man Premiumfernseher auf dem europäischen Markt platziere. Eine Mitsprache auf der operativen Managementebene aus Japan könne auch negative Folgen haben.

Weil Sharp mit der Produktion vor allem großer LCD-Fernseher nicht nachkommt, ist der Marktanteil im vergangenen Quartal trotz Rekordgewinnen kräftig gesunken. Eine Kapazitätsaufstockung des japanischen Werks um ein Fünftel soll das Unternehmen über den Sommer retten. Im Herbst eröffnet dann im japanischen Kameyama die weltweit größte LCD-Fabrik.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%