Fernsehsendungen direkt auf den PC
TV-Landschaft vor der nächsten Revolution

Mehrere europäische Unternehmen schicken sich derzeit an, Fernsehsendungen direkt und einfach auf den heimischen Computer zu bringen. Damit steht die nächste TV-Revolution in den Startlöchern - und sie könnte zu grundlegenden technischen und sozialen Veränderungen führen.

HB MAILAND. Joost aus Skandinavien und Babelgum aus Italien sind schon in der Testphase. Im nächsten Monat will die britische Firma Skinkers ein ähnliches Angebot starten. Gemeinsam ist ihnen, dass sie keine Set-Top-Box oder Ähnliches für den Empfang von Fernsehsendungen über das Internet voraussetzen, nur eine Breitbandverbindung wird benötigt.

Joost (www.joost.com) bietet derzeit Comedy, Sport, Musik und Dokumentarfilme und konnte jüngst auch einen Vertrag mit dem Viacom-Konzern unter Dach und Fach bringen, zu dem unter anderem das Filmstudio Paramount und Sender wie MTV oder Comedy Central gehören. Der Massenmarkt ist damit in Sichtweite gerückt. Babelgum (www.babelgum.com) wiederum setzt auf einen Nischenmarkt und bietet derzeit neun Kanäle, darunter Film-Trailer, Sport, Nachrichten und Animationsfilme. Ziel ist es hier eher, einen einfachen Zugang zu spezielle Inhalte anzubieten, die man sonst über die normalen Suchmaschinen nur schwer findet.

Technisch setzten beide auf eine Peer-to-Peer-Technik (P2P), die es erlaubt, auch große Datenmengen effektiv im Internet zu verteilen. Finanzieren sollen sich die Unternehmungen über Werbung. An der aktuellen Nutzung des Mediums Fernsehen werden beide Firmen wohl nichts ändern. Analysten sind aber überzeugt, dass die dahinter stehende Idee über kurz oder lang das Fernsehen revolutionieren wird. Die Schätzungen dazu, wie lange dies noch dauern wird, schwanken zwischen drei und 15 Jahren. Am Ende steht ein Fernsehen, bei dem sich der Kunde alles und zu jeder Zeit auf sein TV-Gerät holt.

So weit ist es aber noch nicht. "Das normale Fernsehen wird so schnell nicht verschwinden", sagt Arjang Zadeh, Analyst der Beratungsfirma Accenture. Die Dominanz des Fernsehens werde durch den Trend zu hochauflösenden Bilder (HDTV) gestützt, da sich derartige Filme "am besten über die normalen Satelliten- und Kabelsysteme übertragen werden", sagt Zadeh. Denn noch hat Fernsehen über Internet damit zu kämpfen, dass die Datenmengen bei der Übertragung oft nicht konstant sind und deshalb die Qualität der Bilder leidet. Noch fehlen auch "überzeugende Inhalte" für das Internet-Fernsehen. Zadek schätzt, dass das Internet-Fernsehen so lange nicht mit dem normalen Fernsehen konkurrieren kann, wie die Bandbreite nicht bei 25 bis 30 Megabit pro Sekunde liegt.

Aber der Markt wächst kontinuierlich weiter. Bis 2010 wird ein Umsatz von zwei Mrd. Euro erwartet. Die Revolution komme erst dann, wenn diese Dienste direkt mit dem Fernsehen verschmelzen, sagt Mark Kirchstein von der Marktforschungsfirma iSuppli. Das, was sich anbahnt, ist aber nicht nur eine technische, es ist auch eine soziale Revolution, wie Francesco Monico erklärt, Professor für Medien in Mailand. Die Nutzer tendierten immer mehr zu Inhalten, die sich an ihren spezifischen Interessen orientierten. Damit verliere das Fernsehen seine soziale und politische Macht auf die Gesellschaft.

Das Fernsehen, wie wir es kennen, sei eigentlich schon tot, sagt Monico. Er unterrichte es schon gar nicht mehr in seinen Klassen, weil seine Studenten, die zwischen 19 und 30 Jahre alt sind, nicht mehr genug fernsehen. "In der vergangenen Woche sagte mit einer meiner Studenten, das sei eine Technik für alte Menschen", sagt Monico. "Sie nutzen das Internet ganz unverkrampft. Sie sind Teil des Internets. Sie sagen, dass einzige, was sie brauchen ist das Internet."

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