Festnetz, Internet und Mobilfunk
Telekoms setzen auf Konvergenz

Für Telekom-Unternehmen heißt das übergeordnete Cebit-Thema Konvergenz. Die Verschmelzung von Mobilfunk und Festnetz hält die Branche bereits seit Monaten in Atem. Dahinter steht die Überzeugung, dass Kunden künftig über das Handy dieselben Dienste nutzen wollen, die ihnen auch auf dem heimischen PC zur Verfügung stehen.

DÜSSELDORF. Noch ist das allerdings Zukunftsmusik. Auf der Messe bieten die Telekom-Unternehmen keine neuartigen konvergenten Produkte, sondern vor allem neue Tarife für Pakete aus Festnetz- und Internetanschluss sowie Mobilfunk-Karte und womöglich noch Internet-Fernsehen. "2007 wird das Jahr der Bündel-Angebote, die mit einem Preis-Abschlag gegenüber den einzelnen Diensten angeboten werden", sagt Martin Gutberlet vom Marktforscher Gartner.

Vor allem der Marktführer Deutsche Telekom sieht darin die Zukunft. "Wir rücken von der hochkomplexen Konvergenz der verschiedenen Techniken ab und legen unseren Fokus auf die intelligente Bündelung verschiedener Angebote", sagt ein Sprecher. Die Komplettpakete sind für die Anbieter eine Verteidigungs-Strategie. "Die Telekom-Konzerne wollen damit ihre Kunden halten", erklärt Diethard Bühler von der Unternehmensberatung CSMG Adventis. Kunden wechseln seltener den Anbieter, wenn sie gleich mehrere Dienste im Paket bei ihm beziehen.

Viele Analysten sehen integrierte Anbieter wie die Telekom bei dieser Entwicklung im Vorteil, weil sie alle Dienste - Mobilfunk, Festnetz und Internet - selbst anbieten. Reine Mobilfunker wie Vodafone gleichen ihren vermeintlichen Nachteil in diesem Rennen mit Partnerschaften aus. So bietet Vodafone in Deutschland mit Arcor, der einzigen Festnetztochter des Konzerns, ein Paket aus Mobilfunk und Internet-Anschluss an. "Ein Preis für mehrere Dienste ist ein Marketing-Gag, aber keine wirkliche Konvergenz", kritisiert aber Dan Bieler vom Marktforscher IDC.

Das große Ziel einer konvergenten Telekom-Welt ist die völlige Harmonisierung von Internet und Mobilfunk. Der Nutzer soll dann über beide Wege auf alle Daten und Angebote zugreifen können. Speichert er etwa Inhalte via Handy, sind die automatisch auch auf seinem PC vorhanden. Was sich einfach anhört, ist technisch hoch komplex und wird sich nach Ansicht von Experten erst in einigen Jahren im Massenmarkt durchsetzen. Dann werden die meisten Telekom-Konzerne ihre Netze komplett auf das Internet-Protokoll umgestellt haben, wodurch die technischen Grenzen zwischen Mobilfunk und Festnetz verschwimmen.

Erste Bewegungen in diese Richtung gibt es aber bereits heute: So stellt der Mobilfunker O2 auf der Cebit eine Lösung vor, die Internet-Seiten 1:1 auf dem Handy zeigt. Bisher mussten die Inhalte in einem eigenen Mobilfunk-Format gespeichert werden, das denen des Webs nicht genau gleicht. Ohne das Handy-Format klappte die Darstellung nicht.

Auch Vodafone will die Unterschiede zwischen PC- und Handy-Anwendungen verwischen. "Wir bringen auf den PC, was bisher nur mobil existiert und umgekehrt", sagt ein Sprecher. So ist es künftig möglich, vom heimischen Computer aus Textmitteilungen (SMS) und mobile Fotos (MMS) zu verschicken. Umgekehrt können Vodafone-Kunden mit dem Handy über das Internet telefonieren und in Echtzeit kommunizieren (Instant Messaging).

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%