Filmtechnik
Hollywoods unsichtbarer Star

Vom Greis zum Säugling in 166 Minuten - diese Entwicklung macht Brad Pitt im Oscar-prämierten Kinofilm "Der seltsame Fall des Benjamin Button" durch. Verantwortlich für diese radikale Verjüngungskur ist die Software einer Berliner Firma.

BERLIN. Brad Pitt sitzt in einem dunklen Raum. Dutzende von Lampen strahlen sein Gesicht an. Er spricht und lacht, er schaut ungläubig und skeptisch, er verzieht den Mund und reißt die Augen auf. Um ihn herum hängen kleine Kameras, die das Mienenspiel aufzeichnen.

Der Schauspieler produziert so mehr als 120 verschiedene Gesichtsausdrücke - die Grundlage für den ungewöhnlichen Kinofilm "Der seltsame Fall des Benjamin Button". Brad Pitt kommt darin im Körper eines 86-Jährigen auf die Welt und stirbt 166 Kinominuten später als Säugling. Die Aufnahmen von seinem Mienenspiel lieferten digitalen Visagisten die Grundlage, um dem Star am Computer zunächst eine zerfurchte Gesichtslandschaft und später die Haut eines Babys auf die Wangen zu zaubern.

Am Wochenende hat der Film drei Oscars gewonnen, darunter den für die besten Spezialeffekte. Diese wären ohne die Hilfe einer deutschen Software-Schmiede nicht möglich gewesen.

Ein schnödes Bürogebäude, wenige Meter entfernt vom Berliner Bahnhof Zoo. Die Räume versprühen den Charme der 70er-Jahre. Nur ein Plakat des Kultfilms "Matrix" lässt erahnen, dass das, was hier entsteht, auch eine glamouröse Seite hat. Die Regisseure des Science-Fiction-Spektakels, die Gebrüder Larry und Andy Wachowski, haben das Plakat signiert: "Thanks to Mental Ray".

Mental Ray ist die Erfindung der Berliner Firma Mental Images, die hier residiert. Physiker, Mathematiker und Informatiker haben eine Software entwickelt, die inzwischen einen festen Platz im Geschäft mit Spezialeffekten hat. Aus internationalen Filmproduktionen ist das Programm aus Berlin nicht mehr wegzudenken. Mental Ray ist Hollywoods unsichtbarer Star.

Mit Hilfe der Software setzt die amerikanische Filmfabrik Traumwelten in lebensechte Bilder um: Spiderman klettert Wände empor, Harry Potter fliegt auf einem Besenstil durch die Luft, und der Rebell Morpheus springt in "Matrix" über kilometertiefe Häuserschluchten, als sei es das Normalste in unserer Welt. Die Software von Mental Images sorgt dafür, dass Filmsequenzen, die im Computer Pixel für Pixel erschaffen werden, lebensecht wirken. Das menschliche Auge wird perfekt in die Irre geführt.

Das Geheimnis dahinter ist die richtige Beleuchtung. Der Mann, der dafür sorgt, heißt Rolf Herken, Gründer und Chef von Mental Images. Seine Software simuliert Lichteffekte und liefert so den Pinselstrich für die Computerwelt. Mit ihr kommt Licht ins Dunkel. Computerexperten werden so zu Puppenspielern des 21. Jahrhunderts.

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