Finnischer Konzern übertrifft eigene Prognosen – Verkaufshits bescheren auch Motorola Gewinnschub
Nokia meldet sich in alter Form zurück

Der finnische Mobiltelefonhersteller Nokia hat im ersten Quartal dieses Jahres bei Gewinn und Umsatz deutlich zugelegt und so die eigenen Prognosen sowie die Erwartungen der Analysten übertroffen. Nokia und auch Motorola profitieren im Gegensatz zu Konkurrenten wie Sony Ericsson von neuen Geräten, die offenbar den Geschmack der Kunden treffen.

hst/slo STOCKHOLM/DÜSSELDORF. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 17 Prozent auf 7,4 Mrd. Euro. Den Nettogewinn steigerte der Weltmarktführer auf dem Handymarkt auf 863 Mill. Euro oder 19 Cent je Aktie – ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das gab dem Aktienkurs Auftrieb: Er stieg im Tagesverlauf um knapp sechs Prozent auf 12,45 Euro. Für eine positive Überraschung hatte bereits einen Tag zuvor Nokias größter Konkurrent, Motorola, gesorgt. Die Nummer zwei auf dem Handymarkt verkündete für das erste Quartal ein Gewinnplus von 48 Prozent auf 692 Mill. Dollar.

Nokia und Motorola profitieren im Gegensatz zu Konkurrenten wie Sony Ericsson von neuen Geräten, die offenbar den Geschmack der Kunden treffen. Bei Motorola ist das Mobiltelefon des Typs „V3 Razr“ der Verkaufsschlager, ein schlankes, eher teures Designerhandy: Allein in Europa seien eine Million Geräte verkauft worden, gab Motorola bekannt. Das seien doppelt so viele wie im vierten Quartal 2004.

Bei Nokia ist es ein Kamerahandy im mittleren Preissegment, das sich besonders gut verkauft. Das Gerät des Typs Nokia 6230 hatte nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung im ersten Quartal dieses Jahres einen Anteil von fünf Prozent an allen in Europa verkauften Mobiltelefonen.

„Nokia hat derzeit ein paar Hits in seinem Produktportfolio, und vor allem im Smartphone-Markt haben die Finnen im ersten Quartal gepunktet, was dem Durchschnittspreis aller Nokia-Geräte auf die Sprünge geholfen hat“, sagt Nicolas von Stackelberg, Analyst bei Sal. Oppenheim. Smartphones sind aufwendigere Handys mit Computerfunktionen wie E-Mail und Textverarbeitung. Noch ist dieses Segment gemessen am gesamten Handygeschäft sehr klein, es glänzt aber mit hohen Zuwachsraten. Zudem sind die Geräte eher teuer. Das verhalf Nokia nach Analystenangaben zu einem Durchschnittspreis pro Handy von 110 Euro. Damit lagen die Finnen über den Expertenerwartungen.

Der Konzern hatte bei Smartphones im ersten Quartal einen Marktanteil von 50 Prozent. Diese positive Entwicklung werde sich bei Nokia fortsetzen, weil der Konzern in dem Segment einige sehr gute Produkte vorzuweisen habe, sagt Stackelberg.

Insgesamt setzte Nokia in den ersten drei Monaten dieses Jahres 53,8 Millionen Mobiltelefone ab. Das ist ein Plus von einem Fünftel gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Finnen legten vor allem in China zu. Der Absatz in Süd- und Nordamerika blieb dagegen eher schwach.

Mit den Zahlen für das erste Quartal meldet sich Nokia nach einem schwierigen Jahr 2004 in alter Form zurück. Im vergangenen Jahr hatten die Finnen den Trend zu aufklappbaren Mobiltelefonen verschlafen und dadurch Marktanteile verloren. Durch Preissenkungen machte der Konzern das wieder wett. „Nokia hat jetzt aber seine Probleme offenkundig überwunden. Der gestiegene Durchschnittspreis war das Beste am Quartalsbericht“, sagte Analystin Helena Nordman-Knutsson vom Stockholmer Börsenmakler Öhman Fondskommission.

Nokia-Chef Jorma Ollila stellte für das laufende Jahr weitere Zuwächse im zweistelligen Bereich in Aussicht. Auch für die gesamte Branche gab sich der Branchenprimus optimistisch: 2005 werde der gesamte Markt für Mobiltelefone nach Nokia-Schätzungen um 15 Prozent auf 740 Mill. Einheiten zulegen. Damit wird der Markt schneller wachsen als ursprünglich prognostiziert, aber langsamer als im vergangenen Jahr.

Der Durchschnittspreis pro Handy – für Analysten eine wichtige Kennziffer in der Branche – wird laut Ollila auf dem Niveau des ersten Quartals bleiben, da der Konzern in erster Linie in Entwicklungsländern wächst und dort günstigere Einsteigergeräte nachgefragt werden. Das ist einer der Gründe, warum branchenweit die Durchschnittspreise fallen. Zu diesem Trend trägt auch die größere Konkurrenz im Handymarkt bei – ausgelöst durch kleinere asiatische Anbieter, die mit aggressiv niedrigen Preisen ihren Marktanteil auszubauen versuchen. Analysten von Credit Suisse First Boston sagen daher den fünf weltweit führenden Mobiltelefonherstellern für 2005 einen Durchschnittspreis von 152 Dollar voraus – nach 162 Dollar im Vorjahr.

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