Firmenkunden im Visier
Computerbauer bieten eigene Software an

Die Zeiten sind vorbei, in denen sich die Computerhersteller ganz darauf konzentriert haben, Rechner zu fertigen und dann zu verkaufen. Weil sich die Geräte der einzelnen Anbieter immer weniger voneinander unterscheiden, bieten die Konzerne zunehmend auch Software an. Dabei werden Firmenkunden angesprochen, die mit den neuen Programmen ihre teuren Großrechner, so genannte Server, besser auslasten und damit Geld sparen können.

MÜNCHEN. "Der größte Teil der IT ist Hardware, die aus standardisierten Komponenten zusammengebaut wird. Da ist es schwierig, sich mit diesen Produkten von den Wettbewerbern abzusetzen", sagt Joseph Reger, Technikvorstand von Fujitsu Siemens Computers (FSC). Deshalb entwickelt das Münchener Unternehmen verstärkt Software, um den Kunden Lösungen anzubieten, die sie bei den Wettbewerbern nicht bekommen. "Die Differenzierung entsteht durch die detaillierte Kenntnis der Hardware sowie der Schnittstellen zwischen Hard- und Software. Hier können wir Mehrwert bieten", sagt Reger.

Mit diesem Ansatz steht FSC nicht alleine da. Fast alle großen Computerhersteller investieren in eigene Programme. "Systemnahe Software hat sicher ein großes Potenzial", heißt es etwa beim amerikanischen IT-Konzern IBM.

IBM und der US-Wettbewerber Hewlett-Packard gehen sogar noch einen Schritt weiter. Sie bieten Programme an, die sie auch unabhängig von ihrer Hardware verkaufen. Das macht FSC, Europas größter Computerbauer, nicht. "Dazu sind wir nicht groß genug", sagt Technikchef Reger. FSC ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und des japanischen Technologiekonzerns Fujitsu und mit einem Umsatz von knapp sieben Mrd. Euro vergleichsweise klein. So erzielt HP in einem Quartal schon rund 20 Mrd. Euro Umsatz.

An systemnaher Software führt für FSC kein Weg vorbei. Denn mit solchen Programmen lässt sich beispielsweise erreichen, dass Server besser ausgelastet werden. "In diesen Bereich wird bislang viel beschafft und wenig benutzt", bringt es IBM-Manager Thomas Polster auf den Punkt. Server, die mit dem Betriebssystem Windows laufen, seien im Schnitt nur zu drei Prozent ausgelastet. "Die meisten Server bewegen sich nicht, kosten aber viel Geld."

Das ist den IT-Verantwortlichen in den Unternehmen schon lange ein Dorn im Auge. Sie setzen deshalb immer stärker auf Software, die den Bedarf an Rechenleistung erfasst und die Lasten anschließend verteilt. Damit müssen sie letztlich weniger Geld in die Hand nehmen als früher, weil die vorhandenen Rechner besser ausgelastet sind. Das ist auch deshalb wichtig, weil es nicht nur viel kostet, die Server zu kaufen. Auch Wartung sowie Strom für Betrieb und Kühlung gehen ins Geld.

Für die Hardware-Produzenten hat das weit reichende Konsequenzen. Sie müssen sich zusätzliches Wissen aufbauen. FSC-Vorstand Reger: "Sie werden den Trend in der Branche beobachten können, dass die Computerhersteller sich Kompetenzen von den Softwareanbietern zurück ins eigene Haus holen."

Längst interessieren sich nicht mehr nur die Betreiber von Rechenzentren für solche Software. Auch Mittelständler haben oft eine ganze Reihe von Servern in ihren Räumen stehen. Je einfacher und günstiger sich diese Rechner verwalten lassen, desto besser für die Unternehmer.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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