Fit für den Computer
Schwieriger Aufstieg

Deutschland hinkt beim Thema IT im internationalen Vergleich hinterher. So stark ist in vielen Bereichen der Branche mittlerweile der Abstand zu den ausländischen Rivalen, dass manche Experten die Idee einer Aufholjagd längst aufgegeben haben. Noch ist aber nichts verloren. Neue Studien zeigen: Das Potential ist groß. Warum die Branche trotzdem stagniert.

FRANKFURT. Geht es um das Thema Informationstechnologie und Deutschland, überkommt viele Experten das nackte Grauen. So stark ist in vielen Bereichen der Branche mittlerweile der Abstand zu den ausländischen Rivalen, dass sie die Idee einer Aufholjagd längst aufgegeben haben.

Doch nicht alle sind derart pessimistisch. "Wir haben durchaus das inhaltliche Potenzial, im High-Tech-Sektor schneller als der Weltmarkt zu wachsen", sagt Claudia Funke, die Leiterin der Abteilung Technologie-Beratung von McKinsey. Gerade erst haben sie und ihr Team eine große Studie zum Potenzial des High-Tech-Standortes Deutschland abgeschlossen. Das Ergebnis sieht gar nicht so übel aus und lässt hoffen. Bis 2020 könnten in der deutschen High-Tech-Branche rund 120 000 neue Jobs geschaffen werden, die jährliche Wachstumsrate könnte im Schnitt immerhin 4,8 Prozent betragen. Derzeit kommt Deutschland auf einen Wert von 3,5 Prozent, während es zum Beispiel in Asien ansehnliche 13 Prozent sind.

Die schöne Rechnung hat freilich einen Fehler, und der ist nicht gerade klein. Die Rahmenbedingungen in Deutschland müssen besser werden. Die Liste, die die McKinsey-Experten den Deutschen beim Thema High Tech ins Stammbuch schreiben, hat es in sich. Da ist zunächst das leidige Thema der Firmengründungen. "Schaut man auf die forschungs- und entwicklungsintensiven Firmen, dann hat Deutschland mit drei Prozent Neugründungen eine deutlich niedrigere Gründungsrate als etwa Großbritannien, die USA oder Frankreich", moniert Beraterin Funke. Außerdem mangele es den Deutschen daran, ihre Innovationen entsprechend aggressiv zu verkaufen, und die öffentliche Hand verteile ihre Investitionen leider immer noch mit der Gießkanne. Vor allem aber mangelt es an Leuten mit IT-Know-How. Funke drückt es so aus: "Gerade die IT-Industrie leidet in Deutschland unter zu kleinen Engineering-Talentpools."

Problem erkannt, Problem gebannt, sollte man meinen. Doch weit gefehlt. Die Warnungen sind nicht neu. Schon seit Jahren weist die deutsche Wirtschaft immer wieder auf den Engpass bei IT-Fachkräften hin. Längst bekannt sind auch die dramatischen Folgen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) fand heraus, dass der deutschen Volkswirtschaft im Jahr 2006 eine Wertschöpfung in Höhe von satten 20 Milliarden Euro verloren ging, weil knapp 170 000 High-Tech-Arbeitsplätze unbesetzt blieben. Doch geändert hat sich bislang kaum etwas.

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