Forscher entwickeln Strategien, um Angriffe von Hackern und Terroristen auf Computer- oder Stromnetze abzuwehren
Gezieltes Abschalten verhindert Blackout

Es ist der 14. August 2003. Rushhour in New York City, nichts geht mehr, totaler Blackout. Hier – wie auch an der US-Ostküste – ist die Stromversorgung ist zusammengebrochen. Etwa 20 000 Stromleitungen und 14 000 Knotenpunkte sind tot. Bald wird klar: Nach einigen wenigen Ausfällen von Kraftwerken kam eine Kettenreaktion in Gang, die das gesamte Netz lahm legte. Kleine Ursache, große Wirkung.

HB DRESDEN. Ähnliche Kettenreaktionen ereignen sich bei der Ausbreitung von Computerviren wie Sasser oder MyDoom. Selbst wenn nur einige Server infiziert sind, ist die Verbreitung nicht mehr kontrollierbar. Bis jetzt. Adilson Enio Motter, Gastwissenschaftler am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden, hat eine Methode entwickelt, mit der sich Netzwerke künftig vor dem Zusammenbruch schützen lassen. Seine Idee: Durch schnelles Abschalten einiger weniger wichtiger Knotenpunkte – von Netzrechnern etwa – sofort nach dem Auftreten eines Ausfalls oder Angriffs durch einen Computervirus, könnte die Kettenreaktion gestoppt werden.

Netzwerke, wie das Stromnetz oder das Internet, sind komplexe, empfindliche Gebilde. Sie bestehen aus Knoten, also Servern oder Kraftwerken, die wieder mit anderen Knoten verbunden sind. Diese Netzwerke sind empfindlich gegen sich wellenartig ausbreitende Ausfälle, die dann eintreten, wenn große, stark vernetzte Knoten abrupt vom Netz getrennt werden. Deshalb könne eine selektive Abschaltung die Ausbreitung der Kaskade stoppen, sagt der Physiker. Jedenfalls könne so der Totalzusammenbruch von Computer- und Stromnetzen verhindert werden.

Motter’s Methode der so genannten Kaskaden-Kontrolle beruht auf der Beobachtung, dass periphere Knoten wesentlich zur Gesamtlast beitragen und ihre Abschaltung deshalb die Gefahr einer gefährlichen Überlast für das Gesamtnetz verringern kann. Umgekehrt kann das selektive Unterbrechen der Verbindungen zwischen den Knoten die Ausbreitung der Kaskade einschränken. Die Methode ähnelt damit dem Vorgehen bei Waldbränden, diese durch das Legen von Gegenfeuern und das Schlagen von Schneisen unter Kontrolle zu bringen.

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