Forschungsstandort gefährdet
Forscher kämpfen gegen das neue Urheberrecht

Die Wissenschaft läuft Sturm gegen das geplante neue Urheberrecht. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider, warnt vor „gravierenden negativen Konsequenzen für den Wissenschaftsstandort“. Besonders die Hochschulen würden durch die neuen Regelungen geknebelt.

BERLIN. Es sei völlig unverständlich, „dass Hochschulen und Forschungseinrichtungen künftig verwehrt werden soll, über ihre mit Millionen öffentlicher Mittel ausgebauten internen Netze die Vorteile digitaler Medien zu nutzen“, sagte Strohschneider dem Handelsblatt. Die Novelle wird an diesem Freitag im Bundestag eingebracht.

Auch die Allianz der sieben großen Forschungsorganisationen trommelt: „Der Zugriff auf die weltweite Information wird nur noch eingeschränkt und zu unvertretbaren Kosten erfolgen können“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die dem Handelsblatt vorliegt. Das würde auch die engere Vernetzung von Schulen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft „ganz erheblich erschweren“.

Zwar soll die Generalklausel, wonach die Wissenschaft urheberrechtlich geschützte Inhalte in digitaler Form unbeschränkt nutzen kann, bis 2009 verlängert werden; bis dahin will das Justizministerium klären, welche Kosten dies den Verlagen aufhalst. Der Teufel für die Wissenschaft steckt daneben jedoch in vermeintlich harmlosen Details.

So dürften Professoren und Studenten elektronische Bestände der Bibliotheken künftig nur noch an speziellen Plätzen in der Bibliothek einsehen. „Das schreit nach Satire“, sagt Rainer Kuhlen vom Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“, hinter dem alle namhaften Organisationen und Tausende von Forschern stehen. „Dann müsste sich ein Dozent, statt vom Schreibtisch oder von zu Hause zu arbeiten, im Zweifel regelmäßig kilometerweit zur Bibliothek begeben“, kritisiert der Informationswissenschaftler.

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