Fredrik Wacka im Interview
„Nicht die Zukunft sein, aber ein Teil davon“

Fredrik Wacka gehört zu den Pionieren im Corporate Blogging. Seit fünf Jahren betreibt der Schwede die neue Form der Unternehmenskommunikation und hat sich damit einen guten Namen gemacht. In seinem eigenen Blog ( »  www.corporateblogging.info ) beobachtet der PR-Berater die Entwicklung der Weblogs. Im Gespräch mit Jens Müller analysiert Wacka die Verbreitung von Blogs in Deutschland:

Herr Wacka, warum haben sich Weblogs in Deutschland noch nicht so etabliert wie in Amerika oder Frankreich?

Es ist schwer, eine einzige Erklärung zu finden, warum Amerika, Frankreich oder die Niederlande Blogging derart schnell akzeptiert haben. Meines Erachtens beruht dies auf den Möglichkeiten und der Kultur. Aber Deutschland ist keine Ausnahme, es hält mit den meisten Ländern Schritt - beispielsweise mit Schweden, Dänemark, Österreich und Italien.

Spielen die Medien eine Rolle?

Ja, es braucht lediglich ein paar hoch profilierte Blogger, die in den Medien interviewt werden, um Interesse zu generieren. Solche Menschen gibt es in Amerika zu genüge. In den Staaten gibt es außerdem zahlreiche Newsletter, Sites und Magazine, die über neue Technologien berichten. Diese Medien zeigten schon im Frühstadium des Bloggens großes Interesse an dem Thema. Dennoch ist für mich die Kultur am wichtigsten. Manche Kulturen sind einfach rhetorischer veranlagt als andere - Frankreich mehr als Deutschland, Amerika mehr als Schweden. Ein weiteres kulturelles Element sind die Firmenhierarchien. Die deutschen Unternehmen werden international als die hierarchischsten angesehen - und Hierarchien werden vom Business Blogging in Frage gestellt.

Die Proximity Studie kam zum Ergebnis, dass die Erwartungen an Deutschland noch sehr gering sind. Dies könnte sich aber bald ändern. Glauben Sie das auch?

Ja. Wir sind in der Mitte einer Anpassungswelle. Ich stehe selbst in Kontakt mit einer großen deutschen Firma, die Blogging im Intranet beobachtet. Ich glaube aber nicht, dass Deutsche jemals im gleichen Ausmaß bloggen werden, wie es in Amerika der Fall ist, auch wenn Weblogs sich noch stärker verbreiten werden.

Aber es wird Bestandteil unseres Alltags werden?

Ja. Vielleicht erreicht es sogar ein Level, auf dem wir es nicht weiter beobachten müssen, weil es eines von vielen nützlichen Werkzeugen geworden ist. Manche werden es verwenden, manche nicht. Bloggen wird nicht die Zukunft sein, aber ein Teil davon.

Welches Potenzial des Corporate Bloggings wurde bisher noch nicht genutzt?

Wir sind noch in der ersten Anwendungsphase. Die Leute experimentieren damit, probieren es aus und wägen den Nutzen ab. Ich denke nicht, dass das gesamte Potenzial dieses Tools jemals ausgenutzt sein wird. Ebenso haben wir seine Grenzen noch nicht kennengelernt.

Welche Ratschläge geben sie Firmen, die ein eigenes Weblog planen?

Es gibt viele Sachen, die zu berücksichtigen sind. Erstens ist es eine große Investition. Nicht unbedingt finanziell, aber ein gutes Weblog nimmt viel Zeit in Anspruch. Zweitens müssen die Unternehmen erkennen, dass es sich dabei um eine echte Konversation handelt. Wenn sie nicht ernsthaft daran interessiert sind, was ihre Kunden, Angestellten oder andere Gruppen denken, sollten sie nicht bloggen. Darüber hinaus müssen sie den Bloggern zugestehen, persönlich zu werden. Diese Leute sollen nicht Repräsentanten oder nur eine öffentliche Fassade des Unternehmens sein. Blogs werden gelesen, weil sie die Leser ermutigen, weil sie eine Stellung beziehen. Wenn ein Unternehmensblogger das nicht leisten kann, sollte er nicht bloggen. Aber gerade weil das Bloggen solch eine Herausforderung ist, besitzt es ein so großes Potenzial. Weblogs können in kurzer Zeit wichtige Leute erreichen, dadurch Beziehungen knüpfen, die traditionelles Marketing oder interne Kommunikation nicht bieten kann.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%