Führungscoup dank Scheer
IT-Verband Bitkom meistert die Krise

Mit der Wahl von August-Wilhelm Scheer zum Präsidenten hat der ITK-Verband Bitkom überraschend schnell einen Ausweg aus der Führungskrise gefunden. „Das Krisenmanagement des Bitkom hat gut funktioniert“, sagte ein Manager eines großen IT-Unternehmens am Wochenende.

FRANKFURT. Der kurzfristige Rückzug des eigentlich für die Wahl vorgeschlagenen Rudolf Gröger hatte die Mitglieder des Bitkom auf ihrer Jahrestagung kalt erwischt. „Innerhalb des Bitkom herrschte eine ziemliche Aufregung“, wird aus Kreisen des Verbandes berichtet. Gröger hatte seine für das Präsidentenamt notwendige operative Funktion als Vorstandsvorsitzender des Mobilfunkunternehmens O2 erst einen Tag vor dem Jahrestreffen abgegeben.

Offiziell hatte die Geschäftsführung Gröger daraufhin zwar weiterhin den Rücken gestärkt. „Allerdings wusste keiner, wie Herr Gröger sich selber verhalten würde“, beschreibt ein Sitzungsteilnehmer das Dilemma. Eine begründete Sorge, denn kurz vor der Wahl teilte Gröger den Mitgliedern seinen Rückzug mit, der Verband stand plötzlich ohne einen Kandidaten da.

Mit Scheer, dem Gründer und Aufsichtsratschef des Saarbrücker Software- und Dienstleistungsunternehmens IDS Scheer, fanden Hauptvorstand und Präsidium dann allerdings überraschend schnell eine von allen Seiten akzeptierte Alternative. Scheer gilt als „alter Hase“ im IT-Geschäft, der sich bestens mit den Nöten der Gründer auskennt. 1984 hatte er seine IT-Firma als eine Ausgründung aus der Universität Saarbrücken aufgebaut.

Zudem war er von 1975 bis 2005 Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität und gehört dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) initiierten Innovationsrat an. „Wenn einer das Thema Bildung, Wirtschaft und Technologietransfer glaubhaft vertreten kann, dann er“, sagte ein Sprecher der Darmstädter Software AG. Auch Scheer selbst sieht seine vorrangige Aufgabe in diesen Themen. „Die High-Tech-Branche steht vor wichtigen Aufgaben: Die Bekämpfung des Fachkräftemangels, neue Gesetzesvorhaben im Telekommunikations- und Medienrecht sowie die Förderung des Technolonogiestandortes Deutschland stehen ganz oben auf unserer Agenda“, kündigte Scheer an.

Die Wahl des Bitkom-Präsidenten ist traditionell ein schwieriges Unterfangen. Der Grund: Dem Verband, der ein Umsatzvolumen von gut 145 Mrd. Euro repräsentiert, gehören 1 000 Mitgliedsfirmen aus den unterschiedlichen Bereichen an , von Software für den Heimgebrauch über professionelle IT für Unternehmen bis hin zur Konsumelektronik. Entsprechend gering ist zuweilen die Deckung der Interessen der Mitgliedsfirmen.

Bereits bei der Präsidentenwahl vor zwei Jahren konnten sich die Mitglieder nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. Der damals angetretene Jörg-Menno Harms, Aufsichtsrat von Hewlett-Packard Deutschland, fand zu wenig Rückhalt, weil viele Mitglieder der Meinung waren, der Verband müsste von einem Manager eines deutschen Unternehmens repräsentiert werden.

Am Ende erklärte sich der amtierende Präsident Willi Berchtold zu einer zweiten Amtsperiode bereit, obwohl er nach seinem Wechsel vom Smartkarten-Spezialisten Giesecke & Devrient zum Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen nicht mehr in der IT-Branche tätig war. Dafür musste der Verband eigens eine Sonderregelung einrichten.

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