Funkchips im Alltag
RFID soll Erfolgsstory wie Handy und Internet werden

Für Fußballfans ist es eine grauenhafte Vorstellung. Man hat eines der begehrten Tickets für ein Heimspiel seines Lieblingsvereins ergattert und plötzlich ist die Karte weg. Gestohlen vielleicht, aber immerhin kann sich der Langfinger nicht an Stelle des rechtmäßigen Besitzers ins Station schmuggeln, zumindest wenn die Karte mit einem RFID-Transponder ausgestattet ist.

dpa HANNOVER. Der Stadionordner kann die Daten im Chip auf der Eintrittskarte auslesen und mit den Käuferangaben abgleichen. Wer nicht auf der Karte draufsteht, kommt dann auch nicht ins Stadion rein. Bei der Fußballweltmeisterschaft im vergangenen Jahr hat sich dieses System bewährt. Und auch immer mehr Vereine wie die Bundesligisten Hamburger SV und Schalke 04 oder der Zweitligaclub 1. FC Köln versehen ihre Dauerkarten mit RFID-Chips, was simpel betrachtet eine Weiterentwicklung des herkömmlichen Barcodes ist.

Ein winziger Computerchip mit Antenne wird in ein Etikett oder eine Plastikkarte integriert. Auf dem Chip ist in der Regel ein Nummerncode gespeichert. Damit werden Informationen verschlüsselt, die in einer Datenbank hinterlegt sind. So enthält jeder Gegenstand eine unverwechselbare Identität und kann jederzeit gefunden werden. Die Erwartungen an die neuen Funktechnologie sind hoch. „Sie wird eine ähnliche Erfolgsstory werden wie das Handy oder das Internet und unser privates wie berufliches Leben enorm verändern“, ist sich Heinz Paul Bonn, Vizepräsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) sicher.

Dem Verbraucher soll RFID in soweit nutzen, dass er beispielsweise nicht mehr nach Kleingeld in seinen Taschen suchen muss, wenn er ein Ticket für die Straßenbahn lösen will. Die Wirtschaft verspricht sich von den Funketiketten vor allem effizientere und schnellere Abläufe in der Produktion und Logistik sowie einen Schutz vor Plagiaten. Damit verbunden sind deutlich niedrigere Kosten und steigende Umsätze. In Europa soll der Markt für RFID-Technologie von heute 500 Mill. Euro auf sieben Mrd. Euro im Jahr 2016 wachsen.

So nach und nach kommen immer mehr Branchen auf den Geschmack. Bauen Handel und Automobilindustrie schon seit Jahren auf die hoch gehandelte Technologie, so prüft derzeit auch die Pharmabranche verstärkt den Einsatz von RFID. Sie hofft, dass mit den Chips beispielsweise die Gefahr einer Verwechslung von Medikamenten oder Blutkonserven verringert wird.

Derzeit ist Europa bei der RFID-Forschung und Entwicklung führend. Diesen Vorsprung will auch die EU-Kommission nicht gefährden, die sich trotz der Befürchtungen von Verbraucherschützern, dass mit RFID dem Datenmissbrauch Tür und Tor geöffnet sind, erst einmal gegen eine Regulierung ausgesprochen hat. „Ich finde, wir sollten den Bereich unter- statt überregulieren, damit die Branche abheben kann“, sagte die zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding auf der Computermesse Cebit. So sollen sich jetzt alle Beteiligten an einen Tisch setzen und über Sicherheitsthemen und einheitliche Standards beraten. 2008 will man dann prüfen, ob doch noch rechtliche Schritte erforderlich sind.

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