Funknetz
Flächendeckendes Internet per Funk

Jungunternehmer Steffen Dreise wohnt in Oelsnitz, ein Ort in der ostdeutschen Provinz. Breitbandinternet gab es dort lange nicht. Um der internetfreien Wüste zu entkommen, entwickelte der 23-Jährige Funkmodule – die er mit seiner Firma Saxnet nun sogar in Afrika verkauft.

Der Mann kennt offenbar die Grenzen seiner Möglichkeiten. „Verhandlungen im Nahen Osten kann ich nicht alleine führen“, sagt Steffen Dreise. Das kann er auch nicht im näheren Osten: Zum Kreditgespräch in seine Bank im sächsischen Vogtland ging er ebenfalls lieber in Begleitung. „Die hätten doch nur gelacht.“

Das Problem des Geschäftsführers der Firma Saxnet aus Oelsnitz: Er ist erst 23 Jahre alt. „Jung zu sein ist manchmal ein Nachteil“, sagt er. Doch er wäre vermutlich nicht Internetunternehmer in dem teilweise noch immer internetfreien Landstrich geworden, wenn er so ein Problem nicht lösen könnte. Zur Bank begleitet ihn Papa, zu Geschäftsgesprächen im Libanon ein angestellter Senior. „Ich habe für den Vertrieb bewusst ältere Mitarbeiter eingestellt“, sagt der Chef von 23 Beschäftigten.

Das ist nicht die einzige Anstrengung, die Dreise unternimmt, um von seinem jugendlichen Aussehen abzulenken. Anzug, Einstecktuch, Manschettenknöpfe: Seinen Auftritt als smarter Businessman zieht er voll durch. „Wir sind der Maßschneider für WLAN-Lösungen“, sagt er und erklärt deren Funktionsweise. Auf die Bitte, dies auf einem Zettel zu skizzieren, zieht er den Montblanc-Füllfederhalter aus der Tasche.

Er zeichnet handtaschengroße WLAN-Boxen, „Meshnode“ genannt, die sich – angebracht in rund 100 Metern Abstand – zu einem Funknetzwerk verbinden, um Breitbandzugänge in DSL-freien Dörfern, Fabrikhallen oder Autos anzubieten. Da sich die Boxen per Funk ineinander einhaken („Meshing“), benötigt nur eine von ihnen eine Internetverbindung per Glasfaser, Satellit, Mobilfunk oder Standleitung, um eine relativ große Fläche über diesen einen Anschluss versorgen zu können. Die Nutzer teilen sich die Bandbreite.

Als Existenzgründer in der Internetbranche hätte er alle Rechte, etwas lässiger aufzutreten. Warum nicht als Garagentüftler? Die ersten Aufträge habe er tatsächlich noch unter behelfsmäßigen Umständen abgearbeitet, sagt Dreise. Nicht in der Garage, sondern in einem kleinen Büro, „oben bei Vater“. Der betreibt im selben Industriegebiet ein großes Nutzfahrzeug-Leasing-Geschäft und unterstützt das Start-up des Juniors. Dank familiärer Hilfe, Privatinvestoren und Fördergeldern hat sich Dreise gerade eine Werkhalle mit drei Etagen bauen lassen. Deren Ausmaße und Türmchen verraten große Ambitionen. „Es war wichtig, professioneller zu werden“, sagt Dreise. „Nur so kann man große Aufträge kriegen.“

Von denen ist beim Besuch im Januar die Rede, aber noch nicht viel zu sehen. Gerade mal zwei Mitarbeiter sind damit beschäftigt, das Innenleben einiger „Meshnodes“ zusammenzulöten. Nicht nur weil die beiden am Handgelenk angekettet sind (aus elektrostatischen Gründen), wirken sie etwas verloren auf den insgesamt 3 000 Quadratmetern des Industriepalasts. Die permanente Kabelverbindung mit dem ableitfähigen Boden dient der Qualität. Keine statische Aufladung darf in der Box dazwischenfunken, die so robust sein soll, dass sie selbst unter widrigen Umständen noch funktioniert. Eine Etage tiefer, die ebenso grün-weiß in den Landesfarben gestrichen ist wie das Firmenlogo, presst ein Kollege die Kunststoffgehäuse im Apple-Design.

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