Fußball-Rechte
Hartplatzhelden contra Funktionäre

Der Kampf um Fußball-Rechte macht selbst vor Hobby-Spielern nicht halt. Das zeigt ein Rechtsstreit, der derzeit die Gemüter eingefleischter Fußballfans erhitzt. Es geht dabei um die Internetseite Hartplatzhelden, auf der die Nutzer Videos von Amateur-Spielen hochladen und anschauen können. Der Württembergische Fußball-Verband will das verhindern.

DÜSSELDORF. Die Zuschauerzahlen bei Heimspielen des KSV Klein-Karben bewegen sich in der viertklassigen Oberliga Hessen in überschaubaren Bahnen. Gut, 600 waren es jüngst, aber der Gegner hieß Darmstadt 98 – und der bringt selbst reichlich Anhang mit. Trotzdem haben ein in der Halle geschossenes Tor des Clubs aus der Wetterau fast 20 000 Menschen gesehen. Als Video. Im Internet. Auf der Seite » www.hartplatzhelden.de.

Und um dieses Angebot, dass Nutzer auffordert, Videos von Amateur-Spielen hochzuladen, entbrennt nun ein Rechtsstreit, der einerseits zeigt, wie offen viele Rechtsfragen im Internet noch sind – und zum anderen davon kündet, dass der Kampf um Fußball-Rechte nicht vor Hobby-Spielern halt macht.

Der Württembergische Fußball-Verband (WFV) nämlich klagt gegen die Hartplatzhelden. In der Pressemitteilung klingt das so: „Mit der Klage möchte der WFV eine grundsätzliche Klärung der Frage erreichen, ob kommerziell ausgerichtete Unternehmen Leistungen des Amateurfußballs zum Zwecke der Gewinnerzielung nutzen dürfen, ohne eine Gegenleistung zu erbringen.“ Zitieren lassen möchte sich der Verband nicht. Er argumentiert jedoch nicht mit Bildrechten oder gar seinem Hausrecht als Veranstalter, sondern mit dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) – und das macht stutzig.

„Das Wettbewerbsrecht ist ein schwaches Schwert. Aber viele rechtliche Fragen im Internet sind noch ungeklärt“, sagt Michael Terhaar, Rechtsanwalt und Spezialist für Online-Recht: „Vor allem muss ja ein Wettbewerb da sein, um mit dem UWG zu argumentieren.“

Doch Wettbewerb, den gibt es. Und sogar einen Vertrag zwischen dem WFV und einer kaum bekannten Online-Videoplattform namens Die Ligen. Im Jahr 2005 wurde er erstmals unterzeichnet. „Wir haben damals geahnt, dass solch ein Angebot mal interessant werden könnte“, sagt Die-Ligen-Mitgründer Markus Kleber. Auch mit anderen Verbänden, nicht nur im Fußball, liefen Verhandlungen. Im Gegensatz zu den Hartplatzhelden erhalten die Kameraleute von Die Ligen eine Aufwandsentschädigung. Finanzieren will sich das Angebot durch die Weitervermarktung der Videos an Lokalzeitungen, zwei Abnehmer gibt es schon. Nun ist dieser Vertrag ausgelaufen. Und in der Klageschrift behauptet der Verband, einen neuen Abschluss mit Die Ligen behindere die reine Existenz von Hartplatzhelden. Juristen fragen sich allerdings: Müsste eine gemeinnützige Organisation wie der WFV eine solche Rechtevergabe öffentlich ausschreiben? „Ein heikles Thema“, sagt ein kundiger Jurist.

Hinter dem Streit steckt wohl mehr. Nach Informationen des Handelsblatts aus Kreisen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gibt es einen handfesten Streit zwischen ihm und den Landesverbänden. Der DFB hat nämlich ein Portal namens » www.fussball.de. Auf dem gibt es auch eine Community-Funktion, bei der Fans bald Videos unterklassiger Spiele einstellen sollen. Derzeit scheitert dies anscheinend an der Technik. Die Landesverbände aber wehren sich gegen Fussball.de, denn sie sehen sich als Inhaber der Rechte für Spiele in ihrem Bereich. Und sie wollen diese Rechte selbst verkaufen. Ob Die Ligen bereits bei einem neuen Vertragsabschluss an den WFV zahlen würden? „Kein Kommentar“, sagt Mit-Gründer Kleber.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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