Games Convention
Herr Minister lädt zum Zocken

Game over in Deutschland: Während hier zu Lande noch der Kulturkampf tobt und die Frage im Raum steht, inwiefern Computerspiele überhaupt förderungswürdig sind, werben ausländische Talentsucher deutsche Spezialisten ab. Jüngstes Beispiel: Die Games Convention in Leipzig.

DÜSSELDORF. Wenn die Spieler in Leipzig zum Vorentscheid für den GNGWC 2007 zusammenkommen – das Buchstabenungetüm steht für „GameNGame World Championchip“ – dann sind sie Gast des koreanischen Ministeriums für Information und Kommunikation. An dem ersten staatlich organisierten Online-Weltcup, bei dem ausschließlich koreanische Spiele gespielt werden, waren im vergangenen Jahr immerhin eine Million Teilnehmer beteiligt.

Korea ist das Eldorado der Onlinespieleindustrie. Das Land fördert aggressiv Jungunternehmer der Branche. Das Ziel: Sie sollen die westlichen Märkte erobern, bevor die Konkurrenz überhaupt gemerkt hat, dass da Märkte sind. Die drei koreanischen Spielehersteller, die 2006 bei der GNGWC die Spielewelten stellten, konnten die Mitgliederzahlen ihrer Welten um bis zu 80 Prozent steigern und die Umsätze um bis zu 50 Prozent, teilte die veranstaltende Kipa (Korean Software Industry Promotion Agency), eine staatliche Non-Profit-Organisation, mit. In diesem Jahr stehen den Spielern sechs Onlinewelten bei dem Wettbewerb zur Verfügung. Insgesamt, so Stephan Kim, Chef der Digital Content Group der Kipa, setzt Korea alleine mit dem Export digitaler Unterhaltung 400 Mill. Dollar jährlich um. Zehn exportorientierte Studios sind auf Kosten der Kipa in Leipzig, um sich mit dem deutschen Markt vertraut zu machen.

Von solchem staatlichen Engagement können Firmen wie dtp young entertainment in Hamburg nur träumen. dtp hat sich zum größten deutschen Anbieter für Kindersoftware hochgearbeitet. 2004 machte das Unternehmen 7,2 Mill. Euro Umsatz, in diesem Jahr sollen es über 32 Mill. Euro sein. Und obwohl für die beliebten Tierspiele von dtp keine Gefahr besteht, auf dem „Killerspiele“-Index der Innenministerkonferenz zu landen, gibt es keine Förderung. „Wir wachsen sehr schön in unserer Nische“, sagt Geschäftsführer Thomas Baur, „aber wenn die groß und attraktiv genug ist, kommen garantiert subventionierte Wettbewerber aus Frankreich oder England und machen uns das Leben schwer.“ Dann müsse dtp über einen Umzug in ein Land mit Förderung nachdenken.

Das ist frohe Kunde in den Ohren von Robert Schweinberg. Der deutsche Business-Consultant des Wirtschaftsministeriums von Ontario reist in diesem Jahr erstmals nach Leipzig, um mit wechselwilligen Unternehmen zu sprechen. Ontario gewährt Neuansiedlungen im Computer- und Videospielebereich hohe steuerliche Vergünstigungen angefangen bei Entwicklungskosten bis hin zu Subventionen bei Gehältern. „Wir bieten kreativen Köpfen beste Bedingungen“, sagt Schweinberg. Die Zahl der Unternehmen im Bereich digitale Unterhaltung ist in Ontario seit 2004 von knapp 40 auf über 140 angestiegen und Schweinberg will dafür sorgen, dass es Ende der Woche noch ein paar mehr sind.

In Seoul sitzt Kim derweil auf gepackten Koffern. Das alte Gebäude ist längst zu klein geworden – er wird mit seinen Leute bald in einen größeren Neubau umziehen. In diesem Kipa Building entstehen unter anderem größere Serverfarmen, auf denen junge Unternehmen für bis zu sechs Monate kostenlos eine komplette Infrastruktur für ein weltweites Onlinespiel buchen können. Eine kostenloses Studio für „Motion Capturing“ wird dann bereitstehen, um aufwändige Digitaltricks zu ermöglichen und um Schauspieler für Spielszenen zu digitalisieren. Das können sich sonst nur große Studios leisten.

Die Ergebnisse werden dann irgendwann auch in Deutschland zu kaufen sein. Made in Korea.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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